Informationen zur Bahnsituation in Lindau

Sonstiges, worüber man sich das "Maul" zerreisen kann.
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Informationen zur Bahnsituation in Lindau

Beitragvon Vielfahrer » So 8. Okt 2017, 20:46

Am morgigen Montagabend gibt es wieder einmal Informationen der DB aus erster Hand im Informationsbüro des Lindauer Hauptbahnhofs zur Situation der Bahn am östlichen Bodenseeufer. Elektrifizierungen, neue Haltepunkte, Stand der Fahrplankonzepte usw. dürften spannende Themen werden.

Viele Grüße vom Vielfahrer

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Re: Informationen zur Bahnsituation in Lindau

Beitragvon Vielfahrer » Do 12. Okt 2017, 21:47

Die Informations- und Diskussionsveranstaltung im Lindauer Hauptbahnhof im Info-Büro hat den Zeitaufwand gelohnt. Zunächst wurde auf die verschiedenen Baumaßnahmen eingegangen, die im Laufe diesen Jahres stattgefunden haben, welche weiteren noch geplant sind, so das Wetter dies zulässt. Zu nennen ist da in erster Linie die Verlegung der Thierschbrücke am nördlichen Bahnhofskopf von Lindau Hbf und der Ersatz eines Bahnübergangs durch eine Unterführung, der wesentliche Verkehrsprobleme auf der Insel löst. Dann wurde der Zeitplan für die Elektrifizierung der einzelnen Abschnitte der Allgäubahn vorgestellt, wobei sich Teilsperrungen nicht vermeiden lassen. Mit vier Überleitungsweichen im Bereich von Weißensberg - Schlachters wird jedoch der lange Streckenabschnitt Aeschach - Hergatz unterteilt und zugleich mit GWB ausgestattet, so dass immer an einem von vier Blöcken die Elektrifizierungsarbeiten stattfinden können und der Zugverkehr weitestgehend aufrecht erhalten bleiben kann. Lediglich bei umfangreichen Arbeiten im Bahnhof Kaufering muss die Strecke nach München für einige Tage komplett gesperrt werden. Längere Zeit muss Buchloe - Memmingen außer Betrieb gehen, aber die Fernzüge werden dann via Kempten umgeleitet, weshalb die Sanierung des Oberstaufener Tunnels ja vorgezogen worden ist. SEV wird es auch zwischen Memmingen und Leutkirch geben müssen, da die Strecke ja eingleisig ist. Eine weitere größere Sperrung steht bei der Erneuerung der großen Talbrücke im Süden von Wangen an (zwischen Wangen und Hergatz), Hergatz - Lindau wird praktisch immer irgenwie befahrbar sein.
Auführliche Diskussionen ergaben sich um einen zusätzlichen Haltepunkt in Zech bzw. im Lindauer Industriegebiet. Weil in diesem Bereich sehr viele Arbeitsplätze liegen (einige Tausend) und eine barrierefreie Querung der Bahn und der parallelen Bundesstraße schon gegeben ist, wäre ein Halt dort hochattraktiv. Allein die ÖBB, die diesen ABschnitt zwischen Reutin und Bregenz betreibt, sieht aus fahrzeittechnischen Gründen (abschnittsweise ist Reutin - Bregenz ja eingleisig), keine Möglichkeit für weitere Halte, wenngleich der Bedarf bejaht wird. Angeregt wurde deshalb, dass sich die Städte Lindau und Bregenz zusammentun und gemeinsam Druck auf einen zweigleisigen Ausbau des kritischen Abschnitts entlang des Bodenseeufers aufbauen. Die lokalen Akteure sind sich sicher, dass sich mit einer besseren Erschließungswirkung der Bahn in diesem Bereich zahlreiche Fahrten des Individualverkehrs durch die Bahn substituieren lassen. Von Seiten der DB wurde aufgezeigt, wie man vorgehen sollte, um das Ziel von Bahnhalten im Raum Zech zu erreichen.

Interessant war auch die Information, dass die Bayrische Eisenbahngesellschaft für jede Bahnstation in Bayern eine Zielvereinbarung abgeschlossen hat, in der geregelt ist, wie hoch und wie lang die Bahnsteige im Endausbau sein müssen. Bayern hält da eindeutig an den 55 cm fest. Etwas anderes käme überhaupt nicht in Betracht. Man müsse sich schließlich auf die in der Zielvereinbarung getroffenen Abmachungen verlassen können.

Weitere Diskussionen gab es über das ESTW und dessen Dimensionierung und natürlich über den Stand der Fahrplankonzepte, die im Zweibahnhofsbereich künftig vorgesehen sind. Aktueller Zwischenstand ist, dass die durchgängige Linie Würzburg - Bludenz im Stundentakt über die NBS Wendlingen - Ulm nicht durchgängig betrieben werden wird. Vermutlich wird eine Brechung in Friedrichshafen kommen, wenngleich von Seiten des Landkreises Lindau dies heftig kritisiert wird, weil man dann vom Bereich Bregenz / Lindau nicht mehr ohne Umsteigen nach Stuttgart kommt.

Andererseits zeigten alle Teilnehmer Verständnis dafür, dass das gut funktionierende Vorarlberger Verkehrssystem nicht durch häufig verspätete DB-Züge instabil gemacht werden könne. Offen ist auch noch, ob die Vorarlberger S-Bahn bis Lindau Hbf oder bis Friedrichshafen verkehrt, ebenso die Haltepolitik der schnellfahrenden Züge im eingleisigen Abschnitt Friedrichshafen - Lindau.
Der Bahnhof Nonnenhorn wird so umgebaut, dass zukünftig gleichzeitige Ein- und Ausfahrten möglich werden.
In Lindau-Reutin wird die DB ein 700 Meter langes Abstellgleis für Güterzüge vorsehen. Es würden zwar definitiv entlang des Bodenseeufers in Zukunft keine solch langen Güterzüge verkehren, aber ein Stauraum werden zwingend benötigt.

Von den Gästen waren Vertreter der Initiative Bodensee-S-Bahn und der Bürgerinitiative Hauptbahnhof Lindau-Reutin sowie Stadt und Landkreis Lindau vertreten und die DB war durch mehrere am Projekt maßgebliche Mitarbeiter/innen vertreten.
Mein Fazit ist, dass es die Bayern verstehen, durch eine sehr offene Kommunikation Widerstände rechtzeitig abzuräumen und dadurch das Projekt beschleunigen. Natürlich wurden gleich weitere Informationtermine vereinbart, da Kommunikation bei kritischen Sachverhalten immer Vorteile bringt.

Viele Grüße vom Vielfahrer


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