(PM) Haltepunkt Eutingen Nord wird voraussichtlich nicht realisiert

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(PM) Haltepunkt Eutingen Nord wird voraussichtlich nicht realisiert

Beitragvon Rangierer » Sa 16. Sep 2017, 16:42

Hallo zusammen,

nachdem es nun verdächtig lange sehr sehr ruhig um den Haltepunkt Eutingen Nord war, gibt es nun (eher unerfreuliche) Nachrichten:

Bahnhaltepunkt Nord steht auf der Kippe

Der Eutinger Bahnhaltepunkt Nord ist noch immer nicht genehmigt. Jetzt droht der ortsnahen Zug-Anbindung sogar das Aus.


Die Gemeinderatssitzung am Dienstag schien nach zweieinhalb Stunden beendet zu sein, da stellte Hubert Lachenmaier „eine letzte Frage“ und formulierte sie flapsig so: „Lebt das Eisenbahnbundesamt noch?“ Worauf er hinaus wollte, war die Genehmigung für den Bahnhaltepunkt Nord in Eutingen. Seit über einem Jahr wartet die Gemeinde auf die Genehmigung.

Pläne zum Ausbau des Bahnhalts mit „Park & Ride“-Parkplatz sind längst erstellt. Der Ausbau der Kreisstraße mit Radweg, um den Bahnhaltepunkt besser an Eutingen und Göttelfingen anzubinden, ist genehmigt.

Bürgermeister Armin Jöchle hätte das Thema gern erst in der Oktobersitzung eingebracht, „um mehr Informationen zu haben“. Denn, so hat die Deutsche Bahn dem Eisenbahnbundesamt nun mitgeteilt, der Bahnhaltepunkt kann wegen „neuer Zugsicherungsmaßnahmen“ voraussichtlich nicht bedient werden. „Es ist keine Zeit übrig, um am Bahnhaltepunkt Nord anzuhalten“, erklärte Jöchle. Es gehe um Zugkreuzungen, die passen müssen. Die Strecke nach Freudenstadt soll neu ausgeschrieben werden. Ergo: „Die Genehmigung für den Bahnhaltepunkt Nord wird vorerst nicht kommen.“

Für den Herbst geplante Rodungsarbeiten werden somit nicht durchgeführt. Sollten sich die Pläne ändern und das Eisenbahnbundesamt den Bahnhalt doch noch genehmigen, würde sich die Inbetriebnahme erheblich nach hinten verschieben, denn in den Frühjahrs- und Sommermonaten dürfen keine Rodungsarbeiten vorgenommen werden.

„Wenn überhaupt, könnte erst 2019 mit dem Bau begonnen werden“, sagte Jöchle. Er erwarte derzeit die Antwort auf die Frage, welche Rolle der Bahnhaltepunkt bei den Planungen der Deutschen Bahn noch spielt.

Über die Entwicklung sei er tief enttäuscht, sagte Lachenmaier. Niessner drückte seinen Unmut noch deutlicher aus: „Ich fühle mich verarscht.“ Die Gemeinde sei bei den Kosten unter anderem für die Elektrifizierung der Strecke in Vorleistung gegangen und werde nun hängen gelassen. Als Kommune komme man da nicht weiter, sagte Tobias Plaz. Er schlug vor, sich an die Landtagsabgeordneten und Landrat Rückert zu wenden.

Jöchle sprach von einem „Armutszeugnis vom Land.“ Die Politiker forderten von der Bevölkerung einen Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel. Dieses Umdenken könne jedoch nur erreicht werden, wenn es auch genügend Einstiege gebe. Im Oktober soll es Gespräch zwischen Verwaltung, Deutscher Bahn und Nachverkehrsgesellschaft geben.


Quelle: http://www.neckar-chronik.de/Nachrichte ... 46070.html

Viele Grüße,

Tobi
"Es ist die Erkenntnis, dass der Pendler im öffentlichen Verkehrssystem sehr ungern umsteigt. Er fährt nicht mit dem Omnibus zum DB-Zug, dann zum Hauptbahnhof um dann wieder in die Strassenbahn zu wechseln um in die Stadt zu kommen."
Dr. Dieter Ludwig

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Re: (PM) Haltepunkt Eutingen Nord wird voraussichtlich nicht realisiert

Beitragvon Vielfahrer » Sa 16. Sep 2017, 20:09

Die Sache mit dem Halt in Eutingen-Nord würde ich nicht so negativ sehen, wie das in der Sitzung rüber gekommen zu sein scheint. Klar ist doch, dass die zur Verfügung stehende Zeit vom Fahrplan abhängig ist. Gerade auf der Gäubahn zeichnet sich doch ab, dass nun doch Neigetechnikzüge im Fernverkehr zum Einsatz kommen werden, da interessiert eigentlich der Interimsfahrplan, den die DB ab Dezember 17 fährt, nicht mehr auf ewig. Dass der Interimsfahrplan keine sonderlich gute Fahrplanstruktur darstellt, müsste eigentlich jedem klar sein, der die Situation in Sulz oder Oberndorf und wegen mir auch in Ergenzingen oder erst recht in Eutingen betrachtet.

Bislang hatte das Land ja vorgesehen, Freudenstadt jede 2. Stunde in Bondorf an die dort haltenden InterCity-Züge anzubinden, weshalb die AVG vorübergehend bis dorthin fahren muss. Eigentlich ein Witz, in Dörfern mit InterCity-Zügen zu halten, aber auf dieses Konzept haben sich Land und DB-Fernverkehr mühsam geeinigt. Die Freudenstädter Strecke wird zunächst alternierend von E-Talenten und AVG-Zügen bedient, aber aus Wettbewerbsgründen darf die AVG auf mittlere Sicht nicht mehr die Strecke von Freudenstadt nach Eutingen bedienen, genießt umgekehrt in ihrem Stammgebiet Karlsruhe Schutz vor anderen Wettbewerbern. Also wird die DB oder ein anderes Verkehrsunternehmen die Auffüllung des Stundentakts mittelfristig übernehmen. Wie der Stundentakt eines Tages aussieht, das kann man sich relativ leicht ausrechnen. Nach wie vor gilt, dass pro Stunde 2 Trassen im 30-Minuten-Abstand von S 21 über den Flughafen in Richtung Rottweil existieren. Eine Trasse wird wohl dem (stündlichen ?) Fernverkehr mit Neigetechnikzügen zugeteilt, die andere dem Regionalverkehr, der dann unter der Flagge "Metropolexpress" verkehren wird. Je nach Ankunftszeit in Eutingen kann dann in Hochdorf oder in Schopfloch oder in Freudenstadt Hbf gekreuzt oder gewendet werden. Offenbar verfolgt man das Ziel einer Kreuzung in Schopfloch, denn bis Hochdorf hätte man eigentlich Zeit im Überfluss, die man anstatt abzustehen ganz sicher in einen Halt in Eutingen-Nord/Göttelfingen investieren würde. Vielleicht reaktiviert man auch eine der anderen früher bestehenden Kreuzungsmöglichkeiten. Was genau getan wird, das hängt ganz sicher von der Gäubahn ab, die für das Land von elementarer Bedeutung ist. Nach meinem Kenntnisstand steht das aber noch gar nicht im Detail fest. Klar ist nur, dass der Fernverkehr und der Metropolexpress halbstündlich über den Flughafen fahren wird. Eventuell wird es weitere Züge geben, die - deutlich langsamer - über Böbingen - Vaihingen nach Stuttgart (Westbf, Feuerbach, Cannstatt oder Hbf tief) fahren werden. Dies wird ja gerade in einem Gutachten des Landes und der Region in Varianten geklärt. Ich denke, dass es derzeit kaum gesicherte Erkenntnisse gibt, wie ab 2026 der Gäubahnfahrplan minutengenau aussehen wird, zumal die Singener Kurve auch nicht in trockenen Tüchern ist. Da die Lastrichtung des Verkehrs ab Eutingen-Nord vermutlich in den Raum Stuttgart und weniger nach Freudenstadt geht, könnte auch der angedachte Flügelzug nach Nagold in Eutingen-Nord halten. Vielleicht sollte man ganz einfach mal die Spezialisten von SMA bitten, mögliche Fahrplanstrukturen mit Halten in Eutingen-Nord systematisch zu erforschen. Meines Wissens wurden die Halte in Eutingen-Nord vom Land befürwortet und da würde ich an Eutinger Stelle nicht aufgeben.

Viele Grüße vom Vielfahrer

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Re: (PM) Haltepunkt Eutingen Nord wird voraussichtlich nicht realisiert

Beitragvon Vielfahrer » Mi 27. Sep 2017, 06:16

Der Schwarzwälder Bote berichtet über eine Gemeinderatssitzung in Eutingen im Gäu:

Bahnhaltepunkt: Den Gemeinderäten reicht's

"Der Eutinger Bahnhof ist für viele Bewohner der Gemeinde eher ungünstig gelegen"

Eutingen - Nachdem der geplante Bahnhaltepunkt Eutingen-Nord wieder einmal Thema in der Gemeinderatssitzung war, nahm das baden-württembergische Verkehrsministerium Stellung zu dem für die Gemeinde wichtigen Infrastrukturgemeinde. Die Stellungnahme fiel jedoch alles andere als positiv aus – im schlimmsten Fall würden die Eutinger bis in das Jahr 2022 vertröstet werden. Laut der DB Netz AG sei es nämlich nicht möglich, im laufenden Fahrplan zusätzliche Halte unterzubringen.

Gemeinderäten reicht es

Doch das wollen einige Eutinger Gemeinderäte nicht mehr auf sich sitzen lassen. In einem offenen Brief wenden sie sich an Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann und die DB Netz AG. Unterzeichnet ist das Schreiben Göttelfingens Ortsvorsteherin Diana Wally und den weiteren Gemeinderatsmitgliedern Horst Niessner, Joachim Gölz, Hubert Lachenmaier, Tobias Plaz, Winfried Seele, Raphael Sickler und Sebastian Lazar. Sie seien angesichts der neuen Informationen entsetzt, schreiben die Räte, und zählen auf, welche "massiven" Finanz- und Planungsmittel die Gemeinde Eutingen bereits verwendet hat. Zur Elektrifizierung der Strecke Eutingen-Freudenstadt hat Eutingen mehr als 400. 000 Euro beigesteuert. Außerdem bereits stattgefunden haben der Grunderwerb und die baureife Planung für den Bahnhaltepunkt Eutingen-Nord, Erschließungsanlagen, Parkplätze sowie Geh- und Radwegverbindung. Diese Vorleistungen habe die Gemeinde stets in kommunalpolitischer Einstimmigkeit übernommen, heißt es weiter in dem Schreiben, um für die Bevölkerung eine attraktiverer, ortsnahe Bahnnutzung zu schaffen. Der geplante Bahnhaltepunkt liege sowohl von Eutingen, als auch von Göttelfingen, nur 500 Meter entfernt und würde die Distanz zwischen den Ortschaften und dem bisherigen Bahnhof um mehr als drei Kilometer verringern. Die Autoren hätten nach eigenen Angaben immer Verständnis für den komplexen Planungs- und Abstimmungsbedarf des Projektes gehabt – doch das neue Statement des Verkehrsministeriums schockiere sie. Sie wehren sich entschieden gegen eine weitere Verschleppung des Projekts.
"Wir fragen uns, wie angesichts solcher Vorgehensweisen ein Ausbau der Schieneninfrastruktur überhaupt noch gelingen kann? Wir fragen uns, ob politische Zusagen der Deutschen Bahn und des Verkehrsministeriums noch Bestand haben? Wir fragen uns, wie wir diese Entwicklung und zeitliche Verschiebung den Bürgerinnen und Bürgern von Eutingen erklären sollen?", schreiben die Unterzeichner des offenen Briefs weiter. Fragen, deren Antworten ihnen das Verkehrsministerium und die DB Netz AG bisher schuldig geblieben sind.

Nachhaltige Mobilität

Die Gemeinderatsmitglieder sind überzeugt, dass die Diskussion um Abgaswerte und Feinstaub gezeigt habe, "wie zwingend notwendig ein gut ausgebautes Schienennetz für eine nachhaltige Mobilität von Menschen in der Stadt und auf dem Land ist." Man sei der kommunalpolitischen Verantwortung stets nachgekommen und erwarte das Gleiche von Bund, Land und der Deutschen Bahn. Zum Abschluss wird noch ein Vergleich zu einem anderen Bauprojekt gezogen: "Es ist für uns keine Option, dass die Umsetzung dieses Projekts mehr Zeit in Anspruch nimmt als Stuttgart 21."

Viele Grüße und gute Wünsche für das sinnvolle Projekt von Vielfahrer


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