Rottweil ist kein Ziel

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Vielfahrer
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Rottweil ist kein Ziel

Beitrag von Vielfahrer »

Hallo,

seit heute fährt der Radexpress an Sonntagen von Stuttgart an den Bodensee. Die Saison dauert bis zum 7. November, wird allerdings mehrfach wegen der inzwischen leider üblichen wochenlangen Sperrpausen unterbrochen. Offenbar aber ist dem Land die älteste Stadt Baden-Württembergs kein Halt wert bzw. Radfahrer ab Rottweil an den Bodensee können nicht zusteigen, da der RE 4 von Horb (ab 9:14 Uhr) bis Tuttlingen (an 9:59 Uhr) ohne Zwischenhalt verkehrt.

Viele Grüße vom Vielfahrer
Bm 6/6 18514
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Re: Rottweil ist kein Ziel

Beitrag von Bm 6/6 18514 »

Der Zug fährt schon etwas länger.

Problem ist wohl, dass der Zug die Fahrzeiten des IC den er ersetzt nicht ganz halten kann und das so durch Streichung eines Halts kompensiert wird (letztes Jahr hielt man, fiel aber deswegen dann im Süden aus dem Takt mit daraus folgender Bummelfahrt).

Radfahrer ist vermutlich eh nur eine Nebensächlichkeit, es geht vor allem darum, dass das Land beim Verhandeln mit DB-Fernverkehr ein nicht so tolles Ergebnis bekommen hat, neben dem dürftigen Angebot zu Randzeiten gibt es Sonntags eine Drei-Stunden-Taktlücke am Tag, weil die DB lieber ihre Züge zu diesen Zeiten auf Abstellgleisen herumgammeln lässt.
Der erste IC des Tages ist kurz vor 08:30 in Singen, der zweite erst kurz vor 11:30. Die erste Lücke um 09:30 schliesst Sa+So ganzjährig eine Doppeltraktion Talent (Sa ist es "nur" eine 2h-Taktlücke bei den IC die geschlossen werden muss). Die sonntägliche Taktlücke um 10:30 schliesst dann nun zumindest im Sommer dieser RE.

Rückfahrt leider ausser Takt als Zusatzleistung und kann auch nur schlecht zum Schliessen der Taktlücke in Gegenrichtung genutzt werden, da die schon am Samstag abend ist. Zu füllende Lücke ist eigentlich Singen-Stuttgart-Singen, da der Zug aber aus Stuttgart kommt und dort hin zurück muss füllt man nur die Lücke in einer Richtung, weil man sonst zwei Zugpaare benötigen würde.
Und währenddessen steht ja die reguläre IC-Garnitur, bei der DB Fernverkehr kein Bock zur Fahrt nach Stuttgart und zurück hat, in Singen herum...

Gruß

Florian
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720-Schwarzwaldbahn
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Re: Rottweil ist kein Ziel

Beitrag von 720-Schwarzwaldbahn »

Bm 6/6 18514 hat geschrieben: So 23. Mai 2021, 16:41 Radfahrer ist vermutlich eh nur eine Nebensächlichkeit, es geht vor allem darum, dass das Land beim Verhandeln mit DB-Fernverkehr ein nicht so tolles Ergebnis bekommen hat,
Und wer morgen vom Bodensee nach Stuttgart will und nicht erst um 10:43 in Stuttgart sein will, muss bereits heute fahren oder lange Umwege in Kauf nehmen um wenigstens zwischen 09:45 und 10:00 Uhr in Stuttgart einzutreffen.

Der morgendliche RE4 von Konstanz nach Stuttgart fährt nur Sonntags (nicht Feiertags), der IC, welcher Montag - Samstag in dieser Zeitlage verkehrt, fährt an bundeseinheitlichen Feiertagen auch nicht.

Die nächste "Geschenk" von DB Fernverkehr an seine "Kunden" lässt nicht lange auf sich warten. Es ist ja nicht genug, dass die Fahrzeiten durch diverse Baustellen und dadurch bedingtem SEV sich verlängern und dadurch unatraktiver werden, nein, man streicht die zweistündlichen IC nach Zürich wieder einmal und schenkt dem ohnehin schon unzufriedenem Kunden hinter Rottweil auch noch einen Zweistundentakt, der RE4 ab Rottweil fährt natürlich weiter in seiner Zeitlage ohne Anschlüsse auch Schramberg (Regiobus), Tuttlingen und Villingen. Wo käme man auch hin, wenn man wenigstens einen halbwegs vernünftigen Baustellenfahrplan aufstellt.

Ich hatte in der Vergangenheit und auch heute noch durchaus Verständniss, dass man es insbesondere in Zeiten von Bauarbeiten nicht für jeden einzelnen Kunden einen individuell auf seine Bedüfnisse angepasstes Verkehrsangebot erstellt werden kann und es an der ein oder anderen Stelle auch zu längeren Reisezeiten kommen kann.

Auf diese weise kann und wird eine Verkehrswende nicht gelingen, auch wenn man den Individualverkehr noch so teuer macht und Mobilitätsangaben einführt. Auf diese weise öffnet sich die Schere zwischen arm und reich noch weiter, wer genug verdient fährt weiterhin mit dem eigenen Auto, wer weniger verdient, hat kann sich am Ende nicht einmal mehr ein Auto leisten und kommt mangels ÖPNV nicht einmal mehr zur arbeit, weil Verkehrsunternehmen Y mal wieder keine Lust hat, seine im Fahrplan veröffentlichte Leistung zu erbringen.
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Re: Rottweil ist kein Ziel

Beitrag von Fridinger »

720-Schwarzwaldbahn hat geschrieben: So 23. Mai 2021, 18:22 Die nächste "Geschenk" von DB Fernverkehr an seine "Kunden" lässt nicht lange auf sich warten. Es ist ja nicht genug, dass die Fahrzeiten durch diverse Baustellen und dadurch bedingtem SEV sich verlängern und dadurch unatraktiver werden, nein, man streicht die zweistündlichen IC nach Zürich wieder einmal und schenkt dem ohnehin schon unzufriedenem Kunden hinter Rottweil auch noch einen Zweistundentakt, der RE4 ab Rottweil fährt natürlich weiter in seiner Zeitlage ohne Anschlüsse auch Schramberg (Regiobus), Tuttlingen und Villingen. Wo käme man auch hin, wenn man wenigstens einen halbwegs vernünftigen Baustellenfahrplan aufstellt.

Ich hatte in der Vergangenheit und auch heute noch durchaus Verständniss, dass man es insbesondere in Zeiten von Bauarbeiten nicht für jeden einzelnen Kunden einen individuell auf seine Bedüfnisse angepasstes Verkehrsangebot erstellt werden kann und es an der ein oder anderen Stelle auch zu längeren Reisezeiten kommen kann.
Hallo,

beim Fernverkehr war leider nichts anderes erwartbar. Dort wird zentral geplant, und alles außerhalb der Rennstrecken ist relativ uninteressant. Genauso bei der EC-Linie München-Zürich, die bis letztens wegen eines gesperrten Bahnhofs Lindau-Reutin auf Deutschem Boden gar nicht gefahren ist.
Wenn entlang des Gäus gebaut wird spart man sich schon die aufwendigen Schweizer-IC mit der Lokschieberei in Stuttgart und Singen.

Leider kommen aber zunehmend bahnintern auch bei Regio solche Zustände - ich hatte beim Vertragsmanager Südbaden im Rahmen der sehr langen SEV-Phase zwischen St. Georgen und Hornberg eine schnellere Route des Ersatzverkehrs über Langenschiltach angeregt, mit dem man bei etwas höheren Einsätzen auf der Linie Konstanz-Offenburg nur 15min verloren hätte (anstatt Folgetakt RE wäre in Hornberg die OSB erreicht worden). Abgesehen von der schwierigen praktischen Umsetzung, die mir der RVS-Betriebsleiter erklärte, hatte Dirk Andres sehr detailliert erzählt, wie kleinteilig das alles wäre und unzufrieden er ist, weil sich keiner mehr aus seinem Zuständigkeitsgebiet heraustraut und an einem guten Konzept mitwirken möchte. Angefangen dass DB Netz es nicht schaffte, den RE St. Georgen <> Konstanz um 30min während der Bauphase zu drehen, bis dass weder SWEG noch Land flexibel genug waren, um zu bezahlbaren Preisen das Fahrzeugkonzept nördlich Hausach anzupassen. Deshalb ist Mo-Fr ab 18 Uhr eine Garnitur weniger unterwegs (fährt nach Freiburg zum Betriebshof) und es gibt Ersatzverkehr Offenburg <> St. Georgen oder sogar Villingen. Aus seinen Erklärungen war es früher viel einfacher, weil jeder dort geholfen hat wo möglich.

Und abgesehen davon sind die Fahrzeiten des SEV auch absolut übel, weil man pro Richtung eine Stunde länger braucht und mindestens bei einem Übergang etwa 20-25min Puffer hat.

Die Sache mit dem ausgelassenen RE-Halt in Rottweil hat mir neulich auch ein Reisendenbefrager des RAB erzählt, dem es eine aufgebrachte Frau erzählt hatte. Die wollte eigentlich von Stuttgart nach Brigachtal fahren um ein Auto abzuholen und musste dann den Schlenker über Tuttlingen nehmen.
Bild
D 1189 - Stuttgart 15:15 - Spaichingen 16:52 - Tuttlingen 17:00 - Milano Lambrate 00:14 - Lecce 12:57
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Als IT-Systemelektroniker zuständig für funktionierende Ticketautomaten bei der DB Kommunikationstechnik
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