KBS 766: Planungen zur Elektrifizierung ausgeschrieben:

Strecken in Baden-Württemberg, die unten nich aufgeführt sind.
Antworten
Karl Müller
Schaffner
Schaffner
Beiträge: 1822
Registriert: Mo 13. Jun 2011, 12:25

KBS 766: Planungen zur Elektrifizierung ausgeschrieben:

Beitrag von Karl Müller »

https://ted.europa.eu/udl?uri=TED:NOTIC ... HTML&src=0

Was wohl dabei rauskommt?

Gruß Oli
Benutzeravatar
Fridinger
Fahrdiensleiter
Fahrdiensleiter
Beiträge: 3116
Registriert: Sa 18. Okt 2008, 20:25
Wohnort: Fridingen (Donau)
Alter: 24

Re: KBS 766: Planungen zur Elektrifizierung ausgeschrieben:

Beitrag von Fridinger »

Das ist der kommunal- und landesfinanzierte Teil der Elektrifizierung, den die Landkreise vor 1-2 Jahren selbstständig mit Unterstützung des Landes beschlossen hatten. Sigmaringen hat Angst, dass sie nicht mehr mit dem Direktzug nach Stuttgart kommen. Es gibt dort aber einige Tunnel auf der Strecke, von demher wird es interessant, was DB Netz letztendlich als Kostensumme ausweist, denn davon macht es (meinen alten Informationen nach) der Kreistag abhängig. Schließlich gibt es vom Bund immer noch kein genau genanntes Elektrifizierungsprogramm, und über GVFG läuft es glaube ich nicht.

Habe mir eben die Ausschreibungsunterlagen durchgelesen, es sieht doch deutlich weiter aus als ich dachte. So wurde bereits in der Lph1 eine Betriebsstudie zum Verkehr erstellt, wonach es eine RE-Linie Crailsheim-Sigmaringen geben könnte. Kreuzungen in Storzingen (Umbau auf ESTW ist Projektbestandteil) und Bisingen, von einem Kreuzungsbahnhof Straßberg konnte man auch lesen. Korrespondierend will DB Netz Inzigkofen wieder mit Kreuzungsmöglichkeit versehen und Sigmaringen soll eine Bahnhofserneuerung mit Bahnsteigneubau usw. erhalten, was beides aber nicht zum OL-Projekt gehört.

Wurde der Rest der Zollernbahn ab Albstadt eigentlich schon genauer vorgeplant im Rahmen der RSB Neckar-Alb? Weiß man da überhaupt, wann das in etwa gebaut wird und wie das zur angeblichen S21-Teilinbetriebnahme in 2025 passt? Das ist doch ausgeschlossen, dass da direkt ab Beginn gleich ein Elektrozug Stuttgart Hbf Tief - Sigmaringen fährt. Und dann wird es interessant, wie das ganze Fahrplankonzept aussehen soll.
Bild
D 1189 - Stuttgart 15:15 - Spaichingen 16:52 - Tuttlingen 17:00 - Milano Lambrate 00:14 - Lecce 12:57
------
Als IT-Systemelektroniker zuständig für funktionierende Ticketautomaten bei der DB Kommunikationstechnik
Vielfahrer
Örtlicher Betriebsleiter
Örtlicher Betriebsleiter
Beiträge: 4403
Registriert: So 1. Aug 2010, 13:32
Wohnort: Tübingen Weststadt

Re: KBS 766: Planungen zur Elektrifizierung ausgeschrieben:

Beitrag von Vielfahrer »

Wurde der Rest der Zollernbahn ab Albstadt eigentlich schon genauer vorgeplant im Rahmen der RSB Neckar-Alb? Weiß man da überhaupt, wann das in etwa gebaut wird und wie das zur angeblichen S21-Teilinbetriebnahme in 2025 passt? Das ist doch ausgeschlossen, dass da direkt ab Beginn gleich ein Elektrozug Stuttgart Hbf Tief - Sigmaringen fährt. Und dann wird es interessant, wie das ganze Fahrplankonzept aussehen soll.
Hallo Fridinger,

zwischen Tübingen und Albstadt-Ebingen, vermutlich auch nach Albstadt-Onstmettingen, wird die RSB Neckar-Alb verkehren, allerdings nicht nur. Es wird stündlich schnelle Verbindungen geben, die im ursprünglichen Planungsstand hätten in Albstadt-Ebingen enden sollen, wo ein Umstieg auf einen Dieselzug nach Sigmaringen (-Aulendorf?) vorgesehen war. Dagegen hat sich Sigmaringen vehement gewehrt, weil sie unbedingt über den Raum Tübingen/Reutlingen an Stuttgart direkt, also umsteigefrei angebunden sein wollen. Es dürfte zwar sowohl via Ulm - Merklingen als auch über Aulendorf - Ulm ebenfalls sehr schnell sein, aber immer einen Umstieg erfordern und das Oberzentrum Tübingen/Reutlingen stellt für den Raum Sigmaringen natürlich auch ein hochinteressantes Zwischenziel dar (Regierungspräsidium, Universitätskliniken, Universität, Forschungseinrichtungen usw.) Diese Anbindung genießt die höchste Priorität im Landkreis Sigmaringen, was ein Stück weit erklärt, dass das Engagement des strukturschwachen Landkreises Sigmaringen etwa bei der Ablachtalbahn sich in sehr engen Grenzen bewegt. Die Züge auf der Zollernbahn sind auch ganz ordentlich besetzt, dies darf man durchaus feststellen. Ich war heute unterwegs in einem IRE auf der Zollernbahn. Um mich herum waren 3 Fahrgäste, die alle nach Ravensburg fuhren und die Zugbegleiterin nach den SEV-Umständen ab Aulendorf nach Ravensburg fragten. Da ich gestern zufällig diese Strecke auch gefahren bin, konnte ich denen gut erklären, wo die Busse stehen und dass diese aller Voraussicht nach 15 Minuten früher in Ravensburg eintreffen werden als in den Fahrplänen es veröffentlicht wurde.

Dass mit Eröffnung von S 21 im Dezember 2025 die Zollernbahn elektrifiziert ist, halte ich für undenkbar. Projekte, wie die Hochrheinstrecke, an denen seit geraumer Zeit mit Hochdruck gearbeitet wird, werden eventuell auf 2025 fertig, für die Bodenseegürtelbahn werden ganz optimistisch Daten ab 2027 genannt, eher schon 2030. Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Zollernbahn zunächst mal bis Hechingen elektrifiziert wird, um in einem ersten Abschnitt mit RSB-Fahrzeugen zu fahren. Danach könnte es weiter gehen nach Balingen bzw. Albstadt-Ebingen und irgendwann (hoffentlich) auch nach Sigmaringen. Ersten Schätzungen zufolge soll dieser Abschnitt aber bei 175 Mio. € liegen, was gewiß kein Pappenstiel mehr ist.

Zwischen Tübingen und Hechingen soll es u.a. einen Doppelspurabschnitt geben. Angedacht ist, mit den schnellen Zügen auf der Bestandstrasse zu fahren und mit der RSB durch den Ort Nehren hindurch, um siedlungsnahe Halte zu realisieren. Ebenso wird die aus Reutlingen nach Gomaringen geplante Strecke nördlich von Nehren in die Zollernbahn eingeschleift, so dass man etwa von Mössingen auch nach Reutlingen ohne über Tübingen zu fahren mit dem Zug fahren kann. Wie genau der Stand der Planungen ist, weiß ich aber nicht. Beim Zweckverband RegionalStadtBahn laufen die Planungen seit geraumer Zeit auf Hochtouren. Die ganze RegionalStadtBahn ist in Module unterteilt. Gebaut wird aktuell beim Modul 1, das von Herrenberg bis Bad Urach geht. Dieses wird ab 12/22 in elektrifizierter und modernisierter Form in Betrieb gehen. Danach werden andere Module folgen, vermutlich wird die Zollernbahn als eine der aufkommensstärksten Zulaufstrecken nach Tübingen dann an der Reihe sein. Viel könnte auch davon abhängen, wie der Bürgerentscheid zur Innenstadtstrecke in Tübingen im September diesen Jahres dann ausgeht.

Im Gegensatz etwa zum Ringzuggebiet sieht es entlang der Zollernbahn so aus, dass die Orte entlang der Zollernbahn in den zurückliegenden und wohl auch in den kommenden Jahren stark an Einwohnern gewinnen, weil im Oberzentrum Tübingen/Reutlingen keine Neubaugebiete in nennenswertem Umfang mehr erschlossen werden. Der Bevölkerungszuwachs wird weniger in Tübingen selbst, sondern in der Region stattfinden, weshalb eine RegionalStadtBahn exakt die beste Antwort auf die wachsenden Verkehrsprobleme ist. Da es aber wenig attraktiv wäre, beispielsweise von Albstadt Ebingen aus ca. 20 Zwischenhalte bis Tübingen hinnehmen zu müssen, wird es stündlich schnelle Züge geben, die durch RegionalStadtBahnen unterlegt werden.

Die schienenparallelen Buslinien, die vor einigen Jahrzehnten der Zollernbahn fast den Garaus gemacht hätten, sind auf ein Minimum reduziert worden. Stattdessen sind viele flächenerschließende Buslinien eingerichtet worden, die in Mössingen, Bodelshausen, Hechingen, Bisingen, Balingen oder Albstadt-Ebingen in teilweise halbstündlichem Takt an die Zollernbahn andocken. Dies erfordert auch neue Infrastrukturen, etwa in Balingen, wo der nunmehr fast 30 Jahre alte ZOB neu konzipiert werden wird. Ab dem 1. August werden komplett neue Fahrplanstrukturen im Zollernalbkreis greifen und auch neue Betreiber unterwegs sein, u.a. auch die Firma Klumpp aus Baiersbronn, in deren Gelenkbus ich gestern zwischen Ravensburg und Aulendorf durch die Gegend geschaukelt wurde. Der andere große Gewinner ist im Zollernalbkreis die RAB, während die seit Jahrzehnten verlässlich bedienenden Unternehmen wie die Hohenzollerische Landesbahn oder Wiest&Schürmann ausgebootet wurden.

In wenigen Jahren wird also das ÖV-Angebot in diesem Raum hochattraktiv werden. Ich verfolge nun seit nunmehr fast 40 Jahren die Entwicklung auf der Zollernbahn, wobei es mir eine Genugtuung ist, dass mit dem Bau des unscheinbaren Haltepunkts Balingen-Süd, später dann Laufen-Ort und Engstlatt die Bedeutung des Nahverkehrs enorm zugenommen hat. 1983 gab es an den kleineren Stationen gerade mal noch zwei Zugpaare täglich, der Rest war auf, wie man damals sagte, "eilzugmäßiges Fahren" umgestellt worden und durch parallel verkehrende Buslinien bedient worden. Auf dieser Strecke sind in der Tat die Weichen anders gestellt worden, als man sich dies in der sog. "Plüschetage" vorgestellt hatte.

Viele Grüße vom Vielfahrer
Antworten