Tuttlingen bemüht sich um eine Verkehrswende

Sonstiges, worüber man sich das "Maul" zerreisen kann.
Lucian Berndt
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Re: Tuttlingen bemüht sich um eine Verkehrswende

Beitrag von Lucian Berndt »

Vielfahrer hat geschrieben: Do 4. Mär 2021, 20:26 Aktuell läuft das Fahrzeug im Raum Engen und hat in den zurückliegenden 14 Monaten es auf über 100.000 km Fahrleistung gebracht, die man ihm übrigens nicht angesehen hat
Guten Abend, oder schon Nacht quasi *inanführungszeichen*

Wo im LK Konstanz im Engener Raum soll der denn aktuell laufen? Wo gibt es denn dort eine Kleinbus-Linie? Ist bekannt wo er genau eingesetzt ist und bis wann er noch dort sein soll? Würde mir den gerne auch mal anschauen *hallo2*

Grüße aus Schwenningen
Lucian
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Re: Tuttlingen bemüht sich um eine Verkehrswende

Beitrag von Vielfahrer »

Hallo Lucian,

wo der genau im Raum Engen läuft, war nicht gesagt worden, Ich vermute aber, dass dies auf den schwach frequentieren Streckenabschnitten Engen - Bittelbrunn, Engen - Aach, teilweise auch Engen - Mauenheim - Stetten - Zimmerholz und natürlich Engen - Biesendorf der Fall sein dürfte, ferner in den Abendstunden auch auf sonst nachfragestärkeren Abschnitten und auch am Wochenende, wo wegen ausbleibender Schüler viele Einsatzmöglichkeiten bestehen.

Aus Sicht des Landkreises Tuttlingen jedoch sollte/muss es ein barrierefreies Fahrzeug werden, da, wie von TUTicket erläutert wurde, im gesamten Landkreis seit der Neuvergabe 2020 nur noch Niederflurfahrzeuge eingesetzt werden. Ein Fahrzeug wie in Engen ist deshalb eher keine Option, auch wenn es große Kostenvorteile bieten mag.

Bei der Testfahrt ging es primär aber darum, zu sehen, ob auf der erwünschten Streckenführung (Steigung, Kurven, Spielstraße, Engstellen) überhaupt ein regelmäßiger und vertakteter Linienverkehr machbar ist. Dies konnte bejaht werden. Ob es auch finanziert werden kann, ob die Fahrgastpotentiale ausreichend sind und was für ein Fahrzeug letztlich ggf. eingesetzt wird, wird Gegenstand weiterer Überlegungen sein.

Interessant übrigens war noch eine Äußerung am Rande, bei welcher der Tuttlinger OB mit den Worten zitiert wurde, dass die Stadt Tuttlingen eigentlich nur am Wochenende eine schöne Stadt sei. Unter der Woche wäre sie wegen der vielen Auto-Einpendler (es sind wohl über 15.000) zu einem riesengroßen Parkplatz mutiert. Und wenn man das ändern möchte, dann muss man für Alternativen sorgen, für attraktive Fußwege, Radwege und eben auch ein deutlich besseres Nahverkehrsangebot. Heute dominiert in Tuttlingen noch das Parken auf Gehwegen oder extrem kurze Amperschaltungen für Fußgänger wie etwa auf der wichtigen Querung der B 311 vor dem Bahnhof, wo das grüne Signal schon wieder erlischt, kaum dass man in der Mitte der Fahrbahn angekommen ist, damit der Individualverkehr ja kaum eine Sekunde zu lange stehen muss. ÖPNV hat Zukunft, sagte der Busunternehmer Rainer Klink, aber keine Gegenwart.

Viele Grüße vom Vielfahrer
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Re: Tuttlingen bemüht sich um eine Verkehrswende

Beitrag von Fridinger »

Im Mobilitätsausschuss beim Kreistag Tuttlingen wird nächste Woche über Tarifmaßnahmen für Tuticket diskutiert. Die Verwaltung möchte die Tarife teilweise deutlich erhöhen, da man mit Corona einen massiven Einbruch der Verkaufsmengen hinnehmen musste, was allerdings überwiegend das Land decken konnte. Letztendlich sind es ordentliche Erhöhungen bspw. für das Tagesgruppenticket von etwa 18€ auf 24€, außerdem sollen alle Einzeltickets um 20Ct teurer werden.

Das wird langsam Nahverkehr zum abgewöhnen, ich fahre Bus eigentlich nur gelegentlich mit Einzeltickets (dank DB-Fahrvergünstigungen auf der Schiene) und das nicht billig. Wenn der Busfahrer darauf besteht, kostet der Anschluss vom Bf Fridingen zu meinem Elternhaus 2,10€. Keine 2km Fahrweg und gerade 5min Fahrzeit. Der einzige Lichtblick ist, dass man im Text explizit auf die Schwarzwald-Baar-Heuberg-Tarifreform eingeht, die zum 01.08.2022 geplant ist. Das ist das erste Mal, dass ich in offiziellen Dokumenten von einem Termin lese.

Für Interessierte gibt es hier mehr zu lesen.

Ein Tagesordnungspunkt weiter wird ein fertig verhandelter ÖPNV-Pakt zwischen den SBH-Landkreisen und dem Land vorgestellt, wonach ein aller gemeinsames Ziel der elektrische Ringzug 2027 ist, inklusive der Strecke nach Fridingen. Bereits bekannte Betriebsverfahren will man weiterentwicklen lassen, außerdem sollen die Landkreise ihr ÖPNV-Angebot in allen Richtungen ausbauen, besonders hebt das Land in §5 einen gemeinsamen Tarifverbund hervor. Auf den Linien Schramberg –Villingen (sofern Ringzug Villingen-St. Georgen), Villingen–Furtwangen, (Ludwigshafen-) Stockach-Tuttlingen, Aldingen–Gosheim/Wehingen und Tuttlingen–Tuningen-Schwenningen muss und soll eine erneute Prüfung der Einführung durchgeführt werden. Außerdem soll die Ringzugfinanzierung entsprechend neu eingeführt werden, wie es letzten Dezember schon Thema durch die Kündigung seitens des Landes war. Wie immer wird der Paktvertrag in Trossingen unterzeichnet.

Eine durchaus lesenswerte und Erfolg versprechende Sache!

Hier der Vorlagentext

Der ÖPNV-Pakt Schwarzwald-Baar-Heuberg en detail
Bild
D 1189 - Stuttgart 15:15 - Spaichingen 16:52 - Tuttlingen 17:00 - Milano Lambrate 00:14 - Lecce 12:57
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Re: Tuttlingen bemüht sich um eine Verkehrswende

Beitrag von Sam7C7 »

Das wird langsam Nahverkehr zum abgewöhnen, ich fahre Bus eigentlich nur gelegentlich mit Einzeltickets (dank DB-Fahrvergünstigungen auf der Schiene) und das nicht billig.
Irgendwie war es ja abzusehen, dass es teurer werden wird. Ich kann die lauten Stimmen nach dem Motto "Ich möchte doch nur mitfahren und nicht den ganzen Bus kaufen" schon verstehen. Mich persönlich trifft es dann auch, sollte ich zu diesem Zeitpunkt immer noch Bus fahren. Irgendwie habe ich mich zwischenzeitlich schon ganz schön daran gewöhnt... *:-D*

Da ich aufgrund von Homeoffice im Moment nur noch ein bis zwei Mal in der Woche zur Arbeit fahre, lohnen sich die Zeitkarten nicht, solange es keinen zusätzlichen Bedarf durch Freizeitfahrten gibt. Ich kaufe daher immer Tagestickets zu 8,60 Euro. Diese sollen später bei 9,80 Euro liegen (+14%) liegen. Interessant ist, dass zwei Einzelfahrscheine bisher 9,20 Euro kosten und zukünftig 9,60 und damit günstiger sind als das Tagesticket. Klar sind mit einem Tagesticket prinzipiell mehr Fahrten möglich, aber irgendwie erwarte ich da eigentlich schon einen "kleinen Rabatt" bei der Tageskarte, wenn ich eine "größere Einmalzahlung" tätige. Naja, im Endeffekt ist es wohl Pfennigfuchserei und ich bin deshalb nicht ärmer oder reicher?!

Der Vollständigkeit halber hier noch der Link zur kompletten TUTicket Preisübersicht. Anlage 1

Viele Grüße
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Re: Tuttlingen bemüht sich um eine Verkehrswende

Beitrag von Vielfahrer »

Hallo,

anstatt eine Fahrkarte um 2,10 vom Bahnhof Fridingen in den Ort zu kaufen, gibt es die Möglichkeit, ein BW-Tarif-Ticket von Hausen im Tal nach Fridingen zu lösen. Sofern man eine BahnCard hat, kostet das nur 1,45 €. Das Ticket muss nicht in Hausen im Tal erworben werden. Es geht online. Auch Relationen wie Fridingen - Tuttlingen werden über die Kombination BW-Ticket und BahnCard günstiger. Dies gilt für die meisten Verbundtarife auch, weil verbundintern die BahnCard nicht akzeptiert wird, muss man halt eine Tarifstelle über die Verbundgrenzen hinaus lösen, ein Verfahren, das nach meinem Kenntnisstand von vielen Kunden so gemacht wird.

Viele Grüße vom Vielfahrer
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Re: Tuttlingen bemüht sich um eine Verkehrswende

Beitrag von Vielfahrer »

Hallo,

wie der Gränzbote berichtet, plant die Stadt Tuttlingen die Einführung eines neuen Parkraumkonzepts ab Herbst 2021. Das Parken in der Innenstadt soll verteuert werden und Dauerparken nach Möglichkeit unterbunden werden. Es soll bis zu 2 Stunden geparkt werden können, was in der Innenstadt dann aber 4.- € kosten soll. Im Vergleich zu anderen Städten ist das zwar immer noch preiswert, für Tuttlinger Verhältnisse, wo man bislang häufig kostenlos irgendwo parken konnte, ein mutiger, aber auch richtiger Schritt. Je weiter weg die Parkplätze von der Innenstadt liegen, desto günstiger sollen sie werden. Bei uns in Tübingen kostet die Stunde in der Innenstadt mindestens 3.-€ bzw. alle 2 Minuten 10 Ct. Ein weiterer Bestandteil der Verkehrsberuhigung war aber auch, dass Parkmöglichkeiten in der Innenstadt generell verknappt wurden und Parken auf Gehwegen - im Gegensatz zu Tuttlingen - nicht zulässig ist und geahndet wird.

In Reutlingen übrigens wird auch ein neuer Weg beschritten. Seit heute können Fahrradfahrer über ein bestimmtes Programm auf ihrem Handy viele Ampeln auf eine grüne Welle für Radler beeinflussen und dadurch erheblich schneller, weniger anstrengend und auch sicherer durch die Stadt fahren, wie der SWR heute berichtet. Aus Sicht des Klimaschutzes sind das erfreuliche Entwicklungen, in Reutlingen wie in Tuttlingen.

Donauabwärts im Raum Ulm setzt man mit der Regio-S-Bahn Donau-Iller verstärkt auf den Schienenverkehr. So wurde in den zurückliegenden Tagen im Rahmen der Umsetzung der Regio-S-Bahn Donau-Iller vereinbart, dass im Nahverkehr auch auf der Donautalbahn im Abschnitt Ulm - Blaubeuren ab Ende 2022 der 30-Minuten-Takt eingeführt werden soll und ferner Spätfahrten mit einer letzten Abfahrt in Ulm um 1 Uhr nachts vorgesehen werden. Da allerdings am frühen Morgen der Verkehr schon vor 5 Uhr beginnt, reduziert sich die "Nachtruhe", die gerne für kleinere Arbeiten am Gleis genutzt wird, auf nur sehr wenige Stunden, was in der Folge vermehrt SEV-Notwendigkeiten nach sich ziehen dürfte.

Viele Grüße vom Vielfahrer
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Re: Tuttlingen bemüht sich um eine Verkehrswende

Beitrag von Fridinger »

Guten Sonntagmorgen,

tatsächlich plant die Stadt Tuttlingen eine deutliche Verteuerung, wo gegen bspw. der DGB bereits wegen vergessenen Interessen von Arbeitnehmern angerannt ist. Trotz meines Abratens, da das Auto dort immer noch als unabdingbar gesehen wird, und es Aussagen gibt "Das funktioniert doch gar nicht, mit dem ÖV von Frittlingen nach Tuttlingen pendeln!". Weil leider viele nicht im Stande ist, überhaupt den Fahrplan zu prüfen, der einem zum Beispiel auf dieser Relation mittlerweile eine recht gute und regelmäßige Verbindung präsentiert und aus Bequemlichkeit das ohnehin vor dem Hof stehende Auto nutzen. So wie es die meisten im Großraum Tuttlingen Beschäftigten tun. Momentan aber leider ein Stück nachvollziehbar, ich selbst halte zum Beispiel die jetzt eingeführte FFP2-Maskenpflicht für groben Unfug, allein weil 60-70% der Reisenden während der Fahrt teilweise die Maske absetzen oder nicht richtig tragen und damit den verbesserten Schutz ad absurdum führen.

Von DGB-Kollegen, die z. B. für die GEW dabei und im Gosheim-Wehinger Gymnasium Lehrer sind, kommen Aussagen wie "Für meine Schüler ist der größte Traum mit 18 ein Auto", dass der ÖV gerade im ländlichen Bereich doch erhebliche Defizite hat. Hoffnung könnte da machen, dass der LK TUT mit dem neuen ÖPNV-Pakt zur Prüfung einer Regiobuslinie Spaichingen-Gosheim verdonnert wird.

Letztendlich hat OB Beck allerdings auch Kritik am beschlossenen Konzept abgeräumt und auf den ÖV als Ersatz hingewiesen, und das explizit mit den ausgebauten Fahrplänen seit März 2020.

Hier in VS kann man im Südkurier übrigens lesen, dass man demnächst Parktickets zwar nicht digital per Handy lösen kann, aber zumindest die Automaten (eine meiner Kernkompetenzen *:-D* ) zumindest auch bargeldlos bedienen kann.
Bild
D 1189 - Stuttgart 15:15 - Spaichingen 16:52 - Tuttlingen 17:00 - Milano Lambrate 00:14 - Lecce 12:57
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Re: Tuttlingen bemüht sich um eine Verkehrswende

Beitrag von Sam7C7 »

Hallo Fridinger,

Fridinger hat geschrieben: So 25. Apr 2021, 09:37 Weil leider viele nicht im Stande ist, überhaupt den Fahrplan zu prüfen, der einem zum Beispiel auf dieser Relation mittlerweile eine recht gute und regelmäßige Verbindung präsentiert [...]
Das ist wohl tatsächlich ein Problem, was ich bis vor einiger Zeit nicht geglaubt hätte. Aber wenn ich mich mit Kollegen zu meiner aktuellen Mobilitätssituation austausche, kommen immer wieder bewundernde Worte nach dem Motto "also ich wüsste nicht mal wann der Bus fährt und dann auch noch mit umsteigen und so". Ich finde es gibt tatsächlich Dinge die irritierend sind, vor allem für Gelegenheitsnutzer, aber da sehe ich eher Themen wie, falsche Zielanzeige außen an den Bussen, Abfahrten nicht an den geplanten Buchstaben am Bahnhof und ZOB, oder auch die Anzeigen im Bus, die auf meiner Relation gefühlt immer ganz aus sind, oder nichts sinnvolles anzeigen.

Fridinger hat geschrieben: So 25. Apr 2021, 09:37 [...] dass der LK TUT mit dem neuen ÖPNV-Pakt zur Prüfung einer Regiobuslinie Spaichingen-Gosheim verdonnert wird.
Was hat es mit diesem Thema eigentlich auf sich? Geht es dabei um das gleiche, was in den ÖPNV Pakt Papieren mit "Schnellbuslinie Aldingen - Gosheim/Wehingen" bezeichnet ist? Bei letzter würde sich mir spontan der Sinn nicht so ganz erschließen, da man auf der Strecke ca. fünf Haltestellen, vor allem in Denkingen, auslassen könnte? Und dafür dann extra Fahrzeuge laufen lassen? Spaichingen würde da eventuell schon wieder mehr Sinn machen. Als ich vor zwölf Jahren noch nach Spaichingen zur Schule ging, konnte ich immer direkt mit dem Bus von und nach Gosheim/Wehingen fahren. Das war eine sehr angenehme Sache. Den Ringzug musste ich damals eher selten in Anspruch nehmen.


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Re: Tuttlingen bemüht sich um eine Verkehrswende

Beitrag von Fridinger »

Sam7C7 hat geschrieben: So 25. Apr 2021, 18:21 Hallo Fridinger,
Fridinger hat geschrieben: So 25. Apr 2021, 09:37 [...] dass der LK TUT mit dem neuen ÖPNV-Pakt zur Prüfung einer Regiobuslinie Spaichingen-Gosheim verdonnert wird.
Was hat es mit diesem Thema eigentlich auf sich? Geht es dabei um das gleiche, was in den ÖPNV Pakt Papieren mit "Schnellbuslinie Aldingen - Gosheim/Wehingen" bezeichnet ist? Bei letzter würde sich mir spontan der Sinn nicht so ganz erschließen, da man auf der Strecke ca. fünf Haltestellen, vor allem in Denkingen, auslassen könnte? Und dafür dann extra Fahrzeuge laufen lassen? Spaichingen würde da eventuell schon wieder mehr Sinn machen. Als ich vor zwölf Jahren noch nach Spaichingen zur Schule ging, konnte ich immer direkt mit dem Bus von und nach Gosheim/Wehingen fahren. Das war eine sehr angenehme Sache. Den Ringzug musste ich damals eher selten in Anspruch nehmen.
Hallo Sam7C7,

im Prinzip geht es dabei um das gleiche, genau. Allerdings ist der Begriff Schnellbus hier irreführend, da es um Regiobus-Linien nach Landesdefinition geht. Das Land hat bestimmte Achsen definiert, auf der ein Regiobus in Frage kommen kann - dabei geht es überwiegend um Erschließung von Mittel- oder Unterzentren, die nicht an der Bahn liegen. Sie sollen dabei identisch zu Bahnbedingungen mit dem Bus angebunden werden, was sich in Kriterien wie Taktung, Fahrweg und Buskomfort bemerkbar macht. Eine Vorgabe ist zum Beispiel, dass unter der Woche jede Stunde (wohlgemerkt im Takt, geringe Abweichungen sind erlaubt) ein Bus auf dem möglichst kürzesten Fahrweg fahren, dabei idealerweise an beiden Linienenden gute Bahnanschlüsse haben und der Bus auch für mittellange Fahrten und barrierefrei tauglich sein soll. Wenn das alles passt, fördert das Land über eine längere Zeit den beantragenden Landkreis mit 50% des Abmangels für diese Linie. Tuttlingen hat das vor Jahren gemeinsam mit dem LK Konstanz für die Strecke Ludwigshafen-Stockach-Tuttlingen verworfen, weil man im Wesentlichen keine Lust hatte und sich das schlechtgerechnet hat ("Da fahren doch eh nur einstellige Fahrgastzahlen über die Kreisgrenze", damals noch mit der Linie 7375 über die Dörfer und einer einstelligen Verbindungszahl am Tag). Allerdings passen die Anschlüsse dort meistens auch nur an einer Seite, weil das Seehäsle nicht den ganzen Tag lang symmetrisch fährt. Könnte sich durchaus ändern, da der Landkreis Konstanz sich eine kostenseitige Übernahme des Seehäsle vom Land BW mit der nächsten Ausschreibung wünscht.

Mittlerweile wird auch eine Regiobuslinie Tuttlingen-Schwenningen zusätzlich zur Achse Spaichingen-Heuberg als tauglich angesehen. Andere Landkreise haben durch ihre beantragten Verkehre sehr gute Fahrgastzuwächse bekommen, der LK Sigmaringen war mit der Linie 500 (KVB/RAB als Gemeinschaftsunternehmung mit entsprechend schon existierenden Konzessionen) Überlingen-Pfullendorf-Sigmaringen einer der ersten. Zum letzten Fahrplanwechsel konnte man sogar mit einer Ausnahme die Linie Sigmaringen-Meßkirch in Betrieb nehmen, da der LK Konstanz eine Finanzierung bis nach Stockach abgelehnt hatte. Auch der Schwarzwald-Baar-Kreis betreibt eine Linie von Donaueschingen über die B27 nach Blumberg. Seit einigen Monaten fährt auch ein Regiobus jede Stunde von Ravensburg über die B33 und die Bodenseefähre nach Konstanz.

Ich hoffe, dass man sich im LK Tuttlingen nicht wieder von den Kosten blenden lässt was der Nahverkehr im Moment dort verbrät, in dem man für noch teurere Tarife leere Busse herumfahren lässt. Hier gibt es Chancen auf eine wirkliche Verbesserung mit 50% Landeszuschuss!

Falls Interesse besteht, so können Fahrplantabellen von Regiobussen aussehen:

Linie 500 Sigmaringen-Überlingen
Linie 700 Ravensburg-Konstanz Mit der Besonderheit, dass ich zwischen Ravensburg und Konstanz den BW-Tarif sogar online kaufen kann, obwohl der RAB (dem die Linie immer noch gehört) wahrscheinlich lieber den Haustarif verkaufen möchte, so steht es auch in der Fahrplantabelle.
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D 1189 - Stuttgart 15:15 - Spaichingen 16:52 - Tuttlingen 17:00 - Milano Lambrate 00:14 - Lecce 12:57
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