Tuttlingen bemüht sich um eine Verkehrswende

Sonstiges, worüber man sich das "Maul" zerreisen kann.
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Tuttlingen bemüht sich um eine Verkehrswende

Beitrag von Vielfahrer »

Hallo,

im Rahmen einer Video-Konferenz wurden heute verschiedene Aspekte des öffenlichen Verkehrs im Raum Tuttlingen beleuchtet. Dabei präsentierte das von der Stadt Tuttlingen beauftragte Büro AS+P interessante Zahlen. Der Anteil des öffentlichen Verkehrs in der Stadt Tuttlingen (Binnenverkehr, Ein- und Auspendler) ist mit nur 6% sehr gering im Vergleich zu anderen Städten. Immerhin 19% des Verkehrs findet mit dem Fahrrad statt, der Löwenanteil jedoch mit dem eigenen PKW. Der Einschätzung von AS+P zufolge besteht noch "sehr viel Luft nach oben", was eine stärkere Inanspruchnahme des öffentlichen Verkehrs betrifft. Bei einer Haushaltsbefragung aus dem Jahr 2019 wurde außerdem festgestellt, dass sich die meisten Tuttlinger eine Verbesserung des öffentlichen Verkehrs wünschen, ebenso bei Radwegen, während deutlich weniger einen Sinn in einer weiteren Verbesserung des fließenden oder ruhenden Individualverkehrs sehen. Offenbar zeichnet sich damit auch auf dem Land ein gewisser Umdenkprozess ab, der im individuellen motorisierten Verkehr nicht mehr das Allheilmittel sieht.

Insbesondere vom in den kommenden Jahren geplanten Haltepunkt Tuttlingen-Stadtmitte (liegt nur 3 Minuten zu Fuß über den Rathaussteg vom Marktplatz entfernt) werden starke Impulse zugunsten des öffentlichen Nahverkehrs erwartet, wobei die Ost-West-Achse von Fridingen über Tuttlingen nach Immendingen - Geisingen in besonderem Maße profitieren wird. Die Planungen des Landes bei der Donautalbahn und auch das auf 2027 vorgesehene Projekt Ringzug 2.0 werden dazu führen, dass der neue Haltepunkt Stadtmitte halbstündlich auf der Schiene bedient wird und die Fahrzeiten aus dem Raum Fridingen/Mühlheim sowie Immendingen/Möhringen werden in die Stadtmitte konkurrenzlos schnell sein, auch schneller und bequemer als mit dem eigenen PKW, den man ja noch irgendwo hinstellen muss.

Auch was Tarife und Fahrgastinformation betrifft, ist ein neuer Schub zu erwarten, der durch den städtebaulichen Schwerpunkt am Bahnhof seinen Ausgang nehmen soll. Die Digitalisierung der Fahrplaninformation und neue Bezahlsysteme beim ÖV sollen in Verbindung mit besseren Angeboten und einer kompletten Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes und des Gebäudes eine Mobilitätsdrehscheibe erster Ordnung werden. Speziell für die Studierenden sollen Fahrräder für die Strecke Bahnhof - Campus (liegt beim ZOB) bereitgestellt werden, lautete eine Anregung. Firmen werden aufgefordert, über ihre betrieblichen Fahrten nachzudenken. Noch handelt es sich ja beim riesigen Parkplatz am Bahnhof Tuttlingen nicht um P&R-Plätze (nur zum allerkleinsten Teil), sondern um Parkplätze für mit dem PKW nach Tuttlingen einpendelnde Mitarbeiter.

AS+P hat recherchiert, dass über 5.000 Pendler von den 16.000 Einpendlern nach Tuttlingen an einer der vier Schienenachsen liegen, also über sehr kurze Fahrzeiten nach Tuttlingen verfügen könnten. Da aber nicht alle an Bahnhöfen wohnen und im Raum Tuttlingen viele Arbeitsplätze auch in ziemlicher Entfernung vom Bahnhof liegen, muss die Feinverteilung besser organisiert sein. Auch Fahrradverkehr und fußläufige Erreichbarkeit der Haltestellen sind wesentliche Voraussetzung für eine stärkere Inanspruchnahme.

Insgesamt verfolgt die Stadt Tuttlingen einen recht interessanten Ansatz, dem eigentlich ein Erfolg beschieden sein sollte. Notwendig dafür könnte flankierend auch sein, dass das unsägliche Gehwegparken, das in Tuttlingen bislang gepflegt wird und den Straßenraum für den fließenden Verkehr erweitert, gleichzeitig für Fußgänger einschränkt, eingeschränkt wird und über eine geänderte Priorisierung der zur Verfügung stehenden Verkehrsflächen zwischen den einzelnen Verkehrsarten nachgedacht und dann auch gehandelt wird.

Eine spannende Enwicklung in einer bislang (zu stark) aufs Auto focusierten Stadt ist damit eingeleitet.

Viele Grüße vom Vielfahrer
Sam7C7
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Re: Tuttlingen bemüht sich um eine Verkehrswende

Beitrag von Sam7C7 »

Hallo Vielfahrer,

vielen Dank für die Zusammenfassung. Sind die Ergebnisse von AS+P auch irgendwo für die Öffentlichkeit einsehbar?
AS+P hat recherchiert, dass über 5.000 Pendler von den 16.000 Einpendlern nach Tuttlingen an einer der vier Schienenachsen liegen, also über sehr kurze Fahrzeiten nach Tuttlingen verfügen könnten. Da aber nicht alle an Bahnhöfen wohnen und im Raum Tuttlingen viele Arbeitsplätze auch in ziemlicher Entfernung vom Bahnhof liegen, muss die Feinverteilung besser organisiert sein.
Seit Anfang des Jahres läuft mein mehr oder weniger freiwilliges Experiment ÖPNV im Landkreis Tuttlingen. Das alte Auto ist verkauft und die Neuanschaffung steht coronabedingt noch aus. Als Ingenieur würde ich zwischenzeitlich sagen, das System bietet an einigen Stellen doch noch etwas Optimierungspotential. *:-D*

Es würde mich also sehr interessieren, was hier mittel- bis langfristig in der Planung ist.


Viele Grüße aus dem nördlichen Landkreis Tuttlingen
Zuletzt geändert von Sam7C7 am Fr 12. Feb 2021, 19:33, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Tuttlingen bemüht sich um eine Verkehrswende

Beitrag von Fridinger »

Das hat Tuttlingen auch dringend notwendig. Dort ist seit 50 Jahren nahezu alles auf das Auto ausgelegt, bis auf die Einfallstraßen. Dort staut es regelmäßig und selbst Pendler z. B. aus Rietheim-Weilheim nutzen dann gerne noch den eigenen Pkw, der ja sowieso vor der Tür steht. Dazu passt, dass viele Parkplätze vorhanden sind, diese oft auch nichts kosten und der Stadtbus seit mehreren Jahrzehnten kaum verändert alle Stunde seine Runde dreht.

Parkraum muss dort massiv zurückgefahren oder verteuert werden, und die mauen Busangebote gehören ausgebaut - sowohl der Raum im Verkehr (Busspuren kaum vorhanden, die vorhandenen Vorrangregelungen verpuffen nahezu komplett) als auch das Angebot. Wenn ich mir die Ausschreibungsgrundlagen von Stadt und Kreis aber anschaue, ist bis auf einzelne Ausweitungen (Gänsäcker soll z. B. verbessert angefahren werden) gar nichts los. Die gleichen Ringlinien wie bisher auch, und das Angebot für eine fast 40'000 Einwohner-Kreisstadt recht mau.

Ich bin dagegen aktuell dran, meinen Wohnsitz ins verkehrlich günstigere Villingen zu legen - ohne eigenen Pkw. Mal sehen, wann und ob es klappt...
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Re: Tuttlingen bemüht sich um eine Verkehrswende

Beitrag von Bahner »

Auch ich werde ab Juni ohne PKW sein und täglich mit dem Bus zwischen Bad Dürrheim und Villingen pendeln.
(Sorry, hat mit dem eigentlichen Thema nichts zu tun, aber mich freuen die ÖPNV offenen Nutzer des Forums, sodass ich mich anschließen wollte).
Umso mehr den ÖPNV in unserer Region nutzen, umso besser steigen die Chancen, dass dieser verbessert wird. *:-)*
Lucian Berndt
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Re: Tuttlingen bemüht sich um eine Verkehrswende

Beitrag von Lucian Berndt »

Bahner hat geschrieben: Fr 12. Feb 2021, 18:32 Auch ich werde ab Juni ohne PKW sein und täglich mit dem Bus zwischen Bad Dürrheim und Villingen pendeln.
Dann wird man sich wohl öfters mal sehen, ich fahre da auch quasi täglich, aber vorne links *beklopt* *beklopt* *hallo2*

Grüße
Lucian
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Re: Tuttlingen bemüht sich um eine Verkehrswende

Beitrag von Vielfahrer »

Hallo zusammen,

@Sam7c7: Die Verkehre abseits der Schiene sind im Landkreis Tuttlingen im vorigen Jahr für 8 Jahre an die aktuellen Betreiber vergeben worden. Ich denke nicht, dass sich da so viel noch ändern wird, zumal absehbar ist, dass der Ringzug Rottweil - Tuttlingen in den kommenden 5 Jahren in etwa in den heutigen Fahrlagen bleiben wird. Die Reaktivierung der Strecke Rottweil - Balingen wird sicher per Machbarkeitsstudie angegangen werden, so jedenfalls tönt es aus dem Zollernalbkreis und aus Richtung der Stadt Rottweil. Ob der Norden des Landkreises Tuttlingen davon profitieren wird, sehe ich eher nicht, da die kreisüberschreitenden Verbindungen in den Zollernalbkreis inzwischen wieder komplett gekappt sind. Trotzdem, wenn Dich Details interessieren oder Du bestimmte Ideen/Anregungen hast, in bestimmtem Umfang lässt sich meist doch was zum Positiven verändern.

@Fridinger: schön für das Oberzentrum, aber schade für das Donautal, wenn es einen so kritischen Begleiter des ÖV möglicherweise tatsächlich wegen der mangelnden Verkehrsgunst dort verliert. Ich kann das aber nachvollziehen. Freiburg, Karlsruhe oder Stuttgart sind natürlich um Meilen besser zu erreichen und die Verkehre in den Tagesrandlagen bis 24 Uhr sind auch da.

@Bahner: Ich kenne das ab Dezember 2021 zu fahrende Angebot zwischen Bad Dürrheim und Villingen noch nicht, hoffe aber, dass Du einen merkbaren 30-Minuten-Takt bekommst. Die Potentiale dafür sind vorhanden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es auch einen attraktiven Tarif geben, der die bisherigen drei Verbundtarife ablösen wird. Das kann zwar noch etwas dauern, wird Dir aber eine großzügige räumliche Verfügbarkeit bringen, die sich nicht nur auf Bad Dürrheim und Villingen beschränken wird. Dass in diesem Forum viele für den ÖPNV offene Nutzer vorhanden sind, kann ich bestätigen. Bei früheren Fahrten mit Bahn und Bus habe ich schon zahlreiche Forumsteilnehmer angetroffen.
Unabhängig von der Pandemie bin ich im Ringzugebiet allerdings kaum noch unterwegs, da meine Arbeitsschwerpunkte sich in den letzen Jahren stark verschoben haben. Größere Projekte laufen im Raum Ulm (Merklingen), im angrenzenden Bayern, beim sog. Allgäuer Ringzug (RV, FN, LI) und entlang des Hoch- und Oberrheins (WT, LÖ, FR) . Die Reaktivierung der Bahnlinie Senden - Weißenhorn, an der ich vor Jahren zusammen mit Ingo Wortmann (jetzt MVV-Chef und VDV-Präsident) mitwirken durfte, hat sich als voller Erfolg erwiesen. Nach fast 50 Jahren ohne SPNV läuft seit Ende 2013 ein Stundentakt, der in zwei Jahren teilweise auf einen 30-Minuten-Takt verdichtet werden wird und die Strecke zudem elektrifiziert wird. Gleichzeitig werden die Taktlagen um 30 Minuten gedreht, also auch nach Memmingen und es werden mehrere Haltepunkte reaktiviert oder neue gebaut (z.B. in Memmingen am Klinikum/Berufsschulzentrum, in Amendingen, Fellheim, Pleß, Heimertingen, Buxheim usw.). Als ich damals zu später Stunde nach einer Bürgerversammlung noch im Auto von Ingo Wortmann bis Stuttgart mitgenommen wurde (er musste am nächsten Morgen in Köln für den VDV tätig sein), kamen wir übrigens auf die Wehratalbahn zu sprechen, da seine Frau aus der Gegend stammt. Die Strecke muss unbedingt reaktiviert werden, war damals seine Meinung. Und siehe da, die Potentiale dafür sind tatsächlich vorhanden. Ich konnte mich unlängst mir dem dafür zuständigen Dezernenten eines beteiligten Landkreises darüber unterhalten. Dieser hatte seine Ausbildungszeit u.a. im Ringzuggebiet in einer Zeit gemacht, als dieser in der Konzeptionsphase war. Und im Land gibt es noch mehrere einflussreiche Personen, die sich beruflich mindestens eine Zeit lang mit dem Ringzug beschäftigt haben, bis in die Führungspositionen des Ministeriums hinein.

@Lucian: Vorne links, d.h. die lenkst den Bus? Die Ostbaar wurde aber auf Ende des Jahres ausgeschrieben und der zukünftige Betreiber steht sicherlich noch nicht fest. Abgabeschluss war erst in der vergangenen Woche. Ich habe keine Ahnung, wieviele Angebote eingegangen sind, könnte mir aber vorstellen, dass es einige waren. Jüngst gingen an DB-Regio-Bus im Nordschwarzwald und im Zollernalbkreis zahlreiche Ausschreibungen, nachdem zuvor viele Linien verloren wurden, insbesondere vom RAB, aber auch von der SBG (Stichwort Konstanz, Südbaar). Wird spannend werden, wie es im Bereich Villingen-Schwenningen ausgehen wird.

Viele Grüße vom Vielfahrer
Sam7C7
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Re: Tuttlingen bemüht sich um eine Verkehrswende

Beitrag von Sam7C7 »

Hallo,
Fridinger hat geschrieben: Fr 12. Feb 2021, 18:24 [...] Busspuren kaum vorhanden, die vorhandenen Vorrangregelungen verpuffen nahezu komplett [...]
Das ist auch einer der Punkte die mir aufgefallen sind. Die Busse genießen im Stadtverkehr wenig bis keine Vorteile gegenüber dem Individualverkehr. Im Zuge der Neubebauung des Union-Areals und einer damit verbundenen Änderung des Verkehrsflusses in diesem Bereich, ist sogar die Auflösung der Busspur in der Stockacherstraße Richtung ZOB geplant.
Vielfahrer hat geschrieben: Fr 12. Feb 2021, 22:03 @Sam7c7: Die Verkehre abseits der Schiene sind im Landkreis Tuttlingen im vorigen Jahr für 8 Jahre an die aktuellen Betreiber vergeben worden. Ich denke nicht, dass sich da so viel noch ändern wird, zumal absehbar ist, dass der Ringzug Rottweil - Tuttlingen in den kommenden 5 Jahren in etwa in den heutigen Fahrlagen bleiben wird. Die Reaktivierung der Strecke Rottweil - Balingen wird sicher per Machbarkeitsstudie angegangen werden, so jedenfalls tönt es aus dem Zollernalbkreis und aus Richtung der Stadt Rottweil. Ob der Norden des Landkreises Tuttlingen davon profitieren wird, sehe ich eher nicht, da die kreisüberschreitenden Verbindungen in den Zollernalbkreis inzwischen wieder komplett gekappt sind. Trotzdem, wenn Dich Details interessieren oder Du bestimmte Ideen/Anregungen hast, in bestimmtem Umfang lässt sich meist doch was zum Positiven verändern.
Das es keine gravierenden Änderungen in den nächsten Jahren, aufgrund der erst kürzlich erfolgten Beauftragungen geben wird, habe ich bereits befürchtet. Auf der anderen Seite muss ich zufrieden sein, denn die eingesetzten Busse sind so neu und modern. Wenn man von Unbequemlichkeiten wie einer nicht funktionierenden App oder der fehlenden Möglichkeit Tickets am Handy zu erwerben absieht, habe ich daran auch eher wenig auszusetzen. Sicherlich wären Takterhöhungen hier und da wünschenswert, aber ich kann mich mit dem aktuellen Angebot arrangieren. Besonders positiv aufgefallen ist mir die Freundlichkeit der meisten FahrerInnen. Das hat aber vermutlich auch etwas mit "wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus" zu tun. *daumenhoch*

Persönlich sehr schade dagegen, finde ich im Moment die Anbindung des Gewerbeparks in Neuhausen ob Eck. Dieser ist nur aus Richtung Tuttlingen sinnvoll zu erreichen. Direkte Verbindungen aus Richtung Mühlheim und Fridingen gibt es nicht. Aus dem nördlichen Landkreis bedeutet das, dass entweder über Aldingen oder Mühlheim erst nach nach Tuttlingen und dann nach Neuhausen gefahren werden muss. Es fehlen direkte, schnelle Verbindungen, auch aus Richtung Mühlheim/Fridingen, für die es aber wahrscheinlich keine ausreichend große Nachfrage gibt. Gleichzeitig würden solche Querverbindungen wohl auch teilweise Fahrgäste von der Schiene abziehen, was vermutlich aus Verwaltungssicht nicht wünschenswert wäre.
Für mich bedeutet dieser Umstand täglich eine drei bis viermal längere Fahrzeit im Vergleich zum Auto (ca. 1 h gegen >3,25 h). Lediglich eine Verbindung am Morgen schafft in meinen Augen eine einigermaßen akzeptable Reisezeit zur Arbeit, da hier der Bus vom Bahnhof in Tuttlingen direkt zum Gewerbepark fährt. Leider ist dieser Anschluss aber auch nur bei gutem Wetter und einem sehr pünktlichen Zug aus Fridingen erreichbar.

Insgesamt ist der ÖPNV wohl ein sehr komplexes Thema, über welches ich mir vorher nie Gedanken gemacht habe. Ich wage aber auch die Aussage, dass die oft geforderte allgemeine Mobilitätswende, mit diesem System, vor allem im ländlichen Raum, nicht erreicht werden kann - auch wenn ich es mir wünschen würde. *:-)*


Viele Grüße
Sam7C7
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Re: Tuttlingen bemüht sich um eine Verkehrswende

Beitrag von Fridinger »

Ich kenne das ab Dezember 2021 zu fahrende Angebot zwischen Bad Dürrheim und Villingen noch nicht, hoffe aber, dass Du einen merkbaren 30-Minuten-Takt bekommst. Die Potentiale dafür sind vorhanden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es auch einen attraktiven Tarif geben, der die bisherigen drei Verbundtarife ablösen wird. Das kann zwar noch etwas dauern, wird Dir aber eine großzügige räumliche Verfügbarkeit bringen, die sich nicht nur auf Bad Dürrheim und Villingen beschränken wird. Dass in diesem Forum viele für den ÖPNV offene Nutzer vorhanden sind, kann ich bestätigen. Bei früheren Fahrten mit Bahn und Bus habe ich schon zahlreiche Forumsteilnehmer angetroffen.
Hallo Vielfahrer, ist das Datum Dezember 2021 auch auf den gemeinsamen Tarifverbund zu werten?! Ich war ja letztes Jahr bei einigen Entwicklungen dabei, vor allem durch die Pandemie kam das zumindest in der Oberflächlichkeit zum Erliegen (hinter den Kulissen habe ich dagegen keine Info). Wäre natürlich sehr förderlich, wenn man da nun etwas Dampf hinter bekommt und den gemeinsamen Verbund zügig beschließt. Das dürfte eine Menge Arbeit für die Verwaltung dieses Jahr bedeuten.
Persönlich sehr schade dagegen, finde ich im Moment die Anbindung des Gewerbeparks in Neuhausen ob Eck. Dieser ist nur aus Richtung Tuttlingen sinnvoll zu erreichen. Direkte Verbindungen aus Richtung Mühlheim und Fridingen gibt es nicht. Aus dem nördlichen Landkreis bedeutet das, dass entweder über Aldingen oder Mühlheim erst nach nach Tuttlingen und dann nach Neuhausen gefahren werden muss. Es fehlen direkte, schnelle Verbindungen, auch aus Richtung Mühlheim/Fridingen, für die es aber wahrscheinlich keine ausreichend große Nachfrage gibt. Gleichzeitig würden solche Querverbindungen wohl auch teilweise Fahrgäste von der Schiene abziehen, was vermutlich aus Verwaltungssicht nicht wünschenswert wäre.
Für mich bedeutet dieser Umstand täglich eine drei bis viermal längere Fahrzeit im Vergleich zum Auto (ca. 1 h gegen >3,25 h). Lediglich eine Verbindung am Morgen schafft in meinen Augen eine einigermaßen akzeptable Reisezeit zur Arbeit, da hier der Bus vom Bahnhof in Tuttlingen direkt zum Gewerbepark fährt. Leider ist dieser Anschluss aber auch nur bei gutem Wetter und einem sehr pünktlichen Zug aus Fridingen erreichbar.
Das Problem kenne ich auch. Anscheinend wollte man in der Tuttlinger Verwaltung (und angeschlossenen Beratern) die Anbindung des Gewerbeparks ausschließen, um einen lupenreinen Takt wie auf mittlerweile fast allen Kreislinien hinzubekommen. Leider wird dadurch einiges Potenzial verschenkt, denn zu pendelrelevanten Zeiten könnte eine zusätzliche Bedienung von Haltestellen bis in den hinteren Gewerbepark sehr förderlich sein. Beidseitige Anschlüsse am Tuttlinger und ggf. auch Fridinger Bahnhof würden die Netzwirkung komplettieren. Das will man aber nicht, aus ähnlichen Gründen hat man vor einigen Jahren das Gewerbegebiet Gänsäcker bis auf die Bundesstraße (und den Bahnhaltepunkt) komplett abgehängt.

Ich wäre mir gar nicht so sicher, dass das Busangebot im Landkreis TUT sich bis auf weiteres nicht ändert. Ein Kreistag-Beschluss aus 2020 war, das zum 01.03.20 eingeführte Angebot zum Fahrplanwechsel Dezember 2020 nicht zu verändern. Das kann durchaus heißen, dass nicht etablierte oder gut laufende Verbindungen ab z. B. Dezember 2021 gekürzt oder gestrichen werden.
In einem Gespräch mit Landrat Bär letztes Jahr hatte er mutmaßt, dass als erstes die zweistündige Linie Fridingen - F-Dickenloch - Buchheim wegfallen könnte, dort würde er die leeren Busse fast direkt an seinem Haus vorbeifahren sehen...
Diese Linie 320 ist aber auch recht untalentiert geplant, bis auf Zufälle nimmt der Bus am Bahnhof Fridingen nur Fahrgäste vom Zug auf und verteilt sie bis Buchheim, auf der Rückfahrt fährt der Bus am Bahnhof Fridingen in den meisten Fällen ins Leere ohne Zuganschluss. Nur um einen merkbaren Takt zu bilden, dem kaum jemand etwas nützt.
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Re: Tuttlingen bemüht sich um eine Verkehrswende

Beitrag von Lucian Berndt »

Vielfahrer hat geschrieben: Fr 12. Feb 2021, 22:03 @Lucian: Vorne links, d.h. du lenkst den Bus? Die Ostbaar wurde aber auf Ende des Jahres ausgeschrieben und der zukünftige Betreiber steht sicherlich noch nicht fest. Abgabeschluss war erst in der vergangenen Woche. Ich habe keine Ahnung, wieviele Angebote eingegangen sind, könnte mir aber vorstellen, dass es einige waren. Jüngst gingen an DB-Regio-Bus im Nordschwarzwald und im Zollernalbkreis zahlreiche Ausschreibungen, nachdem zuvor viele Linien verloren wurden, insbesondere vom RAB, aber auch von der SBG (Stichwort Konstanz, Südbaar). Wird spannend werden, wie es im Bereich Villingen-Schwenningen ausgehen wird.

Viele Grüße vom Vielfahrer
Richtig, ich bin schon seit geraumer Zeit am fahren *hallo1*
Die Ausschreibung ist mir als evtl "Betroffenen" natürlich sehr bewusst und auch präsent im Kopf, vorallem da das Ausbildungsende nach der Ausschreibung liegt. Es ist definitiv spannend und man darf gespannt sein auf die Verkündung, müsste ja in den nächsten 1-2 Monaten dann soweit sein. Allerdings habe ich geschrieben, da @Bahner ja schrieb, dass er ab Juni dort fahren wird und die SBG als solche aber mindestens bis Dezember noch dort fährt, daher werde ich noch mindestens das halbe Jahr dort fahren^^
Mir ist auch zu Ohren gekommen, dass es mindestens zwei Bewerber gab, allerdings nich vor Abgabeschluss, eventuell sind ja noch mehr dazugekommen. Ich hoffe, Klink ist nicht dabei, das wäre wohl erwartungsgemäß das selbe Drama wie im LK Konstanz dann und das wollen wir ja nicht *blären* ... Und wie sich die Bahn entscheidet, SBG oder vielleicht FMO, man wird es sehen ;)

Es bleibt spannend!

LG Lucian
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Re: Tuttlingen bemüht sich um eine Verkehrswende

Beitrag von Vielfahrer »

Hallo,

mit "nicht verändern" meine ich natürlich nicht, dass sich der Fahrplan nicht verändert. Gemeint ist damit die Struktur des Angebots. Wenn ich es richtig im Kopf habe, können durchaus Leistungen angepasst werden, dazu bestellt wie abbestellt werden. Bei neuen Linien und auch Linienwegen wäre ich da eher skeptisch.

Beim Gewerbepark Take-off gab es ja die Vorschläge, nicht nur vorne am Eingang zu halten, sondern auch den bald 2 km entfernteren nördlichen Bereich zu bedienen. Würde man mit einer Fahrt von Tuttlingen nach Neuhausen im Gewerbegebiet eine Schleife fahren, würde sich die Fahrzeit nach Neuhausen um schätzungsweise 10 Minuten verlängern und die Busse, die über den Gewerbepark fahren, damit aus dem Takt werfen. Außerdem würde nicht jeder Bus die gleiche Strecke bedienen, was - je nach Sichtweise - durchaus auch einen Vorteil darstellt. Die Idee war gewesen, nur am Morgen, wenn ansonsten kaum jemand von Tuttlingen nach Neuhausen gegen die eigentliche Lastrichtung unterwegs ist, den Gewerbepark zu bedienen und am Nachmittag, wenn die Fahrgäste wieder von Tuttlingen nach Neuhausen unterwegs sind, bei der Rückfahrt gegen die Lastrichtung wieder über den Gewerbepark zu fahren, um diesen gut an Tuttlingen anzubinden.

Alternativ wurde die Idee diskutiert, dass innerhalb des Gewerbeparks ein Ringverkehr angeboten wird, der auf jeden Anschluss am Eingangstor zum Gewerbepark, an dem die Busse von Tuttlingen Bf - ZOB nach Neuhausen halten, den Anschluss bedient und für die Feinverteilung sorgt. Das hätte aber eine Stange Geld gekostet. Die dort ansässigen Industriebetriebe haben längst in Hunderte von Parkplätzen investiert, wie man gut auf Google-Earth sehen kann.

Dann gab es auch die Idee einer Firma, Standorte in Tuttlingen im Kernstadtgebiet mit Standorten im Take-Off durch Werks-Shuttle, die auch andere Fahrgäste mitnehmen könnten, im 30-Minuten-Takt laufen zu lassen. Neben dem Kostenargument hätte dies aber auch die Regionalbuslinie beeinträchtigt.

Dann gab es den Vorschlag, von Tuttlingen kommend durch das Gewerbegebiet durchzufahren und auf der östlichen Seite in die Richtung Freilichtmuseum und dann nach Neuhausen weiter zu fahren. Wurde aber auch nicht weiterverfolgt.

Die von Sam7C7 geäußerte Idee, über die Mühlheimer Straße nach Fridingen oder Mühlheim zu fahren, wurde bislang nicht diskutiert. Ich halte diese Idee an und für sich für gar nicht so abwegig, vorausgesetzt, dass ein gewisses Potential an Pendlern vorhanden ist.

Dass man solchen Gedanken nicht näher tritt, weil sie ggf. den Ringzug konkurrenzieren könnten, halte ich für abwegig. Wenn jemand den (bislang nur selten im Donautal verkehrenden) Ringzug konkurrenziert, dann ist das die vertaktete Buslinie Fridingen - Mühlheim - Nendingen - Tuttlingen, aber ganz sicher nicht eine Buslinie Fridingen Bf - Bergsteig - Take - Off - Tuttlingen.

Bekanntlich müssen zahlreiche Fahrten im Donautal von Tuttlingen nach Fridingen verstärkt werden. Früher war es so, dass man die zusätzlich zum 30-Minuten-Takt erforderlichen Busse über die nur schwach bediente Strecke Tuttlingen - Neuhausen - Freilichtmuseum nach Fridingen geschickt hatte, allerdings leider nicht über den Take-off-Gewerbepark, um auf den Strecken Tuttlingen - Neuhausen und Neuhausen - Fridingen zu einem dichteren Angebot zu kommen, begründet in der umlaufmäßigen Zuführung nach Fridingen, wo der eigentliche Bedarf dann die Anschlussleistung bzw. am Nachmittag die Vorleistung gewesen war. Die paar Mehrkilometer gegenüber einer Direktfahrt nach Tuttlingen nahm man dafür in Kauf.

Das Hauptpotential, das zwischen Neuhausen und Fridingen befördert wird, sind die Schüler zur Realschule nach Mühlheim und zur Gemeinschaftsschule nach Fridingen sowie zu einer in Fridingen ansässigen Sonderschule. Hier fahren keine leeren Busse, sondern brechend vollen Busse, die allerdings nicht die Erschließungsstrecke über das Fridinger Dickenloch fahren. Diese Busse bedienen in Fridingen den Bahnhof, wo die Mühlheimer Schüler dann auf den Ringzug umsteigen. Hier gab es lange Diskussionen mit der Mühlheimer Realschule, ob es nicht besser wäre, direkt zur Schule zu fahren. Dies hätte aber bedeutet, dass die Fridinger Schüler, die jedoch in der Minderheit waren, dann am Bergsteig hätten umsteigen müssen. Die Entscheidung fiel dann nach vielen Diskussionen so aus, dass man die Sonderschüler, für die der Bus historisch gesehen eingerichtet worden war, umsteigefrei befördern wollte, was bedeutete, dass eben die Mühlheimer über den Bahnhof Fridingen fahren mussten, bei der Hin- wie bei der Rückfahrt. Seit diesem Zeitpunkt ging der Vorwurf durchs Land, der Landkreis wollte alle Schüler auf den Ringzug zwingen, damit dort die Kasse stimmen würde. In der Tat war es aber wirtschaftlicher gewesen, nur einen Bus einzusetzen, der dann nach Fridingen auf den Zug fuhr, als zwei Busse, einer nach Fridingen und einer nach Mühlheim, denn den Zug von Fridingen nach Tuttlingen hatte man aus anderen Gründen ja sowieso und im Abschnitt Fridingen - Mühlheim hatte dieser noch für alle Schüler eine ausreichende Anzahl an Sitzplätzen.

Der bisherige Ringzug im Donautal ist letztlich nichts anderes als eine verkappte Schülerbeförderung, die im sonstigen ÖV nur eine untergeordnete Rolle spielt. Etwas verbessert hat sich das mit der einige Jahre später erfolgten Reaktivierung des Haltepunkts Tuttlingen-Nord, der dann ja weiter ins dortige Gewerbegebiet verlegt wurde. Die dort ansässigen Firmen und auch Aesculap am Tuttlinger Bahnhof haben eine gewisse Berufspendlernachfrage erzeugt, die inzwischen die Schülerströme sinnvoll ergänzt.

Mit dem Angebot Ringzug 2.0 soll die Strecke Fridingen - Tuttlingen (- Immendingen) dann in gleichem Umfang wie andere Ringzugstrecken bedient werden, also im 60-Minuten-Takt. Außerdem hält die Linie Ulm - Donaueschingen inzwischen ab Beuron ja auch in Fridingen und Mühlheim sowie zukünftig (ab ca. 2027) auch in der Stadtmitte am Rathaussteg, so dass bis auf Stetten und Nendingen quasi auf der Schiene ein sehr schneller halbstündlicher Verkehr angeboten werden wird. Zunächst war man davon ausgegangen, dass sich die Ringzüge und die Donautal-RE-Züge in Tuttlingen-Schmelze treffen würden, weshalb dort ein Kreuzungsbahnhof angedacht war. Inzwischen hat sich jedoch abgezeichnet, dass der Donautal-RE sich um 15 Minuten dreht (Kreuzung ab 2027 nicht mehr in Fridingen, sondern in Hausen im Tal), womit der Kreuzungsbahnhof in der Schmelze hinfällig war. Er wäre ziemlich genau nach Stetten gefallen, was aber nicht attraktiv gewesen wäre. Durch entsprechende Anpasssungen (u.a. auf den Verzicht eines Ringzughalts an der Schmelze) ist es gelungen, die Kreuzung in den früheren Bahnhof Mühlheim zu bringen, wo ja auch früher Gleise gelegen waren und eine Überführung für zwei Gleise bereits vorhanden ist. So wird es in Mühlheim in wenigen Jahren 2 Außenbahnsteige geben, die über die vorhandene Überführung miteinander verbunden sind und direkt zur Bushaltestelle vor dem Bahnhof führen, wo die Busse auf den Heuberg (Kolbingen - Renquishausen - Königsheim und Mahlstetten - Böttingen) oder auch in Richtung Mühlheim Oberstadt - Bergsteig - Buchheim oder Neuhausen, ggf. auch Take-off, starten können.

Wenn man dann halbstündlich von Fridingen nach Tuttlingen Innenstadt in ca. 10 bis 13 Minuten mit dem Zug fahren kann, ist das natürlich etwas komplett anderes als das heutige Angebot, das letztlich auf Busse ausgerichtet ist. Hier würde ich also einen erheblichen Strukturwandel beim Angebot zum gegebenen Zeitpunkt noch erwarten. Da in Nendingen nur der Ringzug halten wird, wäre es sinnvoll, um eine halbe Stunde versetzt zum Ringzug einen Bus von den südlichen Nendinger Wohngebieten Altental - Halde nach Tuttlingen verkehren zu lassen, damit Nendingen auch einen 30-Minuten-Takt nach Tuttlingen erhält.

Mit dem Projekt Ringzug 2.0 wird also das Donautal grundlegend verbessert. Es ist zu hoffen, dass auch gleich der Fahrdraht über die Schiene gezogen wird, um durchgängige elektrische Verbindungen nach Immendingen (- Donaueschingen) anbieten zu können. Würde man das Donautal nicht elektrifizieren, dann könnte man sich auch Tuttlingen - Immendingen sparen, denn wenn die Ringzüge nicht elektrisch fahren würden, wäre dort kein elektrischer Zug unterwegs, denn die Ulmer Züge haben ja von Ulm bis Fridingen auch noch keinen Fahrdraht. Die Entscheidungen dazu werden sicherlich im Laufe diesen Jahres getroffen werden, denn die Fördervoraussetzungen für die Elektrifizierung von Bahnlinien sind optimal. Es braucht seit vergangenem Jahr bei der Elektrifizierung von Bestandsstrecken nicht mal mehr einen Planfeststellungsbeschluss. Grund dafür ist, dass der Klimawandel erhebliche Anstrengungen erfordert, um den Verkehrssektor insgesamt unabhängiger von fossilen Brennstoffen zu machen.

Was die Tarife betrifft, von denen Fridinger gesprochen hat, so ist mein Wahrnehmungsstand, dass diese kommen werden, vermutlich so, wie sie seinerzeit mal auf einer Veranstaltung im Landratsamt in VS mit einem 8-Zonen-Modell in der gesamten Region Schwarzwald-Baar-Heuberg angedacht waren. Die Idee war, dass wie heute ein und zwei Zonen zum günstigsten Preis erworben werden können. Wenn sich einer also die Zone Tuttlingen Nord (reicht bis Trossingen, Aldingen, Deilingen usw.) und die Zone Tuttlingen - Süd (reicht von Buchheim über Neuhausen - Emmingen - Liptingen - Immendingen bis Geisingen) kauft, hat er den ganzen Landkreis wie eine Regiokarte in der Tasche. Er kann sich aber auch zum gleichen Preis beispielweise Tuttlingen - Süd und Vilingen-Süd kaufen und kommt dann nach Donaueschingen oder mit Rottweil-Süd ebenfalls zum günstigsten Preis nach Rottweil. Die Preisstufe 1 soll also immer 2 Zonen enthalten, die auch aus verschiedenen Kreisen stammen können. Preisstufe 2 hat dann 3 Zonen, Preisstufe 3 vier Zonen.

Da der neue Tarif natürlich mit Kosten verbunden ist, die nicht nur über Fahrgeldeinnahmen gedeckt werden können, müssen die Kreistage die dafür notwendigen Mittel freigeben. Das mag noch eine Weile dauern, aber der Prozess läuft und wird zusammen mit den durch Ringzug 2.0 angestrebten Angebotsverbesserungen ganz sicher zu einer nachhaltigen Stärkung des ÖV in der Region und damit seinen Teil zum landesweiten Verdoppelungsziel beim öffentlichen Verkehr beitragen. Die Region ist diesbezüglich also auf einem guten Weg.

Viele Grüße vom Vielfahrer
Zuletzt geändert von Vielfahrer am Sa 13. Feb 2021, 12:53, insgesamt 1-mal geändert.
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