Verlängerung des Seehäsles bis Hindelwangen

Alles zur Strecke Radolfzell - Stockach - Mengen kann hier rein.
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KBS720
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Re: Verlängerung des Seehäsles bis Hindelwangen

Beitrag von KBS720 »

Hallo,

der Holcim Zug wurde 16-22.11. via Ablachtalbahn umgeleitet.

Grüße Andreas
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Stinkt und macht en hufe Krach, 218 des isch halt ä Sach
Vielfahrer
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Re: Verlängerung des Seehäsles bis Hindelwangen

Beitrag von Vielfahrer »

Vielen Dank, Andreas!

Die Ablachbahn ist in der Tat dank ihrer geringen Siedlungsdichte eine ideale Strecke für Gütertransporte. Ich habe es sowieso noch nie verstanden, weshalb früher Güterzüge aus der Schweiz via Singen - Friedrichshafen nach Ulm gefahren sind, wo doch die Bodenseegürtelbahn mit zu den dichtest besiedelten Regionen zählt, die Strecke zudem nur wenige Meter vom Seeufer des größten Trinkwasserspeichers Europas (Bodensee) entfernt ist, während die Ablachbahn praktisch ohne Steigungsverluste mit guter Trassierung durch dünn besiedeltes strukturschwaches Gebiet verläuft.

Viele Grüße vom Vielfahrer
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Hannes
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Re: Verlängerung des Seehäsles bis Hindelwangen

Beitrag von Hannes »

Grund dürfte wohl mangelnde Streckenkapazität wegen zu wenig/veralteter Sicherungstechnik gewesen sein. Des Weiteren muss ich mein Personal dafür schulen. Seit den Zeiten des Seehäsles dürfte zudem das Durchkommen zwischen Radolfzell und Stockach erschwert sein. Zudem kann ich so die bestehende Strecke besser auslasten, denn an Trassen scheint es ja nicht gemangelt zu haben.
Heutzutage ist das Durchkommen durch das Seehäsle, das Betriebsverfahren, ggf. die geringere Höchstgeschwindigkeit sowie die i.d.R. höheren Trassenpreise bei privaten EIU auch nicht so einfach, sicherlich auch ein Grund, warum die Strecke von der HzL nur im Umleitungsverkehr genutzt wird.

Grüße, Hannes
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lepus maritimus
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Re: Verlängerung des Seehäsles bis Hindelwangen

Beitrag von lepus maritimus »

Hallo Vielfahrer!
(...) Die Ablachbahn ist in der Tat dank ihrer geringen Siedlungsdichte eine ideale Strecke für Gütertransporte. Ich habe es sowieso noch nie verstanden, weshalb früher Güterzüge aus der Schweiz via Singen - Friedrichshafen nach Ulm gefahren sind, wo doch die Bodenseegürtelbahn mit zu den dichtest besiedelten Regionen zählt (...).
Neben den von Hannes genannten Argumenten:
- Von Stahringen nach Stocken / Schwackenreute geht es mit bis zu 21 Promille ordentlich den Buckel nuff, das ist im GV nicht zu unterschätzen; in der Gegenrichtung von Mengen nach Meßkirch sind es immerhin 15 Promille;
- Betriebsart Nebenbahn;
- Achslast (Streckenklasse D4);

Ferner kommen folgende hausgemachte Einschränkungen dazu:
- Technische Sicherungsanlagen der BÜ z.T. defekt, daher heute Postensicherung nötig;
- Trassenpreise der Ablachtalbahn, die ungefähr 10 Mal (!) so hoch sind wie die der DB Netz;
- maximale Zuglänge von nur 300 m;

Die o.g. Informationen kann man in den Schienennetz-Benutzungsbestimmungen der Ablachtalbahn (SNB-BT) unter http://www.ablachtal-bahn.de/SNB%20BT%2 ... 130405.pdf nachlesen.

Zum Trassenpreis: Es ist ein offenes Geheimnis und wurde erst vergangene Woche in einem Vortrag auf den Horber Schienen-Tagen wieder gesagt, dass die Fa. TEGO Metall als Eigentümerin der Ablachtalbahn kein übermäßiges Interesse an Güterzügen Dritter habe. Daher habe man auch so hohe, abschreckende Trassenpreise festgesetzt. Bei den Güterzügen, die zu Tego fahren, spielen die Trassenpreise keine Rolle ("linke Tasche, rechte Tasche"). Aber Dritte werden dadurch erfolgreich davon abgehalten, fahren zu wollen.

Viele Grüße
L.M.
Vielfahrer
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Re: Verlängerung des Seehäsles bis Hindelwangen

Beitrag von Vielfahrer »

Ich dachte immer, dass die Höhe von Trassenpreisen nachgewiesen werden muss, also nicht nach Lust und Laune gerade so mal festgesetzt werden kann. Man müsste da ja sonst mal die Bundesnetzagentur einschalten. Dritte einfach über (überhöhte) Trassenpreise auszuschließen, ist ja nicht gerade diskriminierungsfrei.

Viele Grüße vom Vielfahrer
Bm 6/6 18514
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Re: Verlängerung des Seehäsles bis Hindelwangen

Beitrag von Bm 6/6 18514 »

Die Ablachtalbahn hatte schon früh bei der DB keine Bedeutung, da sie sehr langsam war (nie ausgebaut) und die DB sich von der Strecke trennen wollte. Schon 1960 wurde der Verkehr zwischen Krauchenwies und Mengen eingestellt, 1969 war dann auch die alternative Verbindung mit Kopfmachen in Sigmaringen stillgelegt und die Strecke war nur noch eine Stichstrecke ab Schwackenreute.

Erst 1989 wurde die Strecke wieder durchgehend aufgebaut. Zu der Zeit hatte die DB aber auch kein Bedarf an einer Umleitung des weitlaufenden Güterverkehrs. Via Friedrichshafen hat man viel längere zweigleisige Abschnitte, zudem hatte die Bundesbahn ja erst Mitte der 80er einen Kahlschlag mit massiver Einschränkung der Leistungsfähigkeit an der Bodenseegürtelbahn durchgeführt, das hätte sie ja kaum gemacht, wenn sie dann kein Platz mehr für Güterverkehr mehr gesehen hätte.
(Heute leidet das inzwischen deutlich ausgeweitete Angebot zwischen Radolfzell und Friedrichshafen natürlich unter diesem Rückbau, aber den Regionalbahnen nützt die Strecke via Schwackenreute nichts und regelmässigen Güterverkehr gibt es eh keinen.)

Neben der schon erwähnten Steigung ist die wiederaufgebaute Strecke via Krauchenwies immer noch sehr langsam (bzw. noch langsamer als früher), vom Personalaufwand abgesehen. Und mit dem Seehäsle ist die Strecke wie auch schon gesagt heute tagsüber kaum noch nutzbar (nur von 8:15 bis 11:45 und 18:45 bis 5:00). Davon abgesehen gibt es ja eh keinen regelmässigen Güterverkehr zwischen Singen und Friedrichshafen mehr, folglich auch keine Züge, die man umleiten könnte. Bleiben also nur gelegentliche Umleiter aus dem Donautal.

Gruss, Florian
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Hannes
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Re: Verlängerung des Seehäsles bis Hindelwangen

Beitrag von Hannes »

Vielfahrer hat geschrieben:Ich dachte immer, dass die Höhe von Trassenpreisen nachgewiesen werden muss, also nicht nach Lust und Laune gerade so mal festgesetzt werden kann. Man müsste da ja sonst mal die Bundesnetzagentur einschalten.
Die Bundesnetzagentur hatte sich schon dem ersten Trassenpreissystem angenommen, das ja nicht genehmigt worden war. Insofern ist das aktuelle in Ordnung.
Das dritte EIU normalerweise höhere Trassenpreise haben ist auch nicht weiter ungewöhnlich, die Höhe bei der Ablachtalbahn ist jedoch schon außergewöhnlich.

Weitere Gründe wurden ja noch genannt, bei wirklichem Willen der Nutzung wären Dinge wie die Bahnübergänge und die maximale Zuglänge sicherlich kein Problem, nur kurzfristig ist das natürlich nicht zu korrigieren. Streckenklasse D4 ist doch kein Problem, das ist ja Standard.
Bei den Zulaufstrecken wäre ja auch die Strecke zwischen Ulm und Mengen zu prüfen, bis in den Bereich von Schelklingen gibt es ja auch noch einiges und der Regionalverkehr bis Ehingen ist ja auch relativ dicht und bis ins Donautal soll er es ja werden.

Grüße, Hannes
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Re: Verlängerung des Seehäsles bis Hindelwangen

Beitrag von ripley »

Hannes hat geschrieben:Streckenklasse D4 ist doch kein Problem, das ist ja Standard.
Der Abschnitt Schwackenreute - Stockach ist nur C4.

Als Laie wundern mich in den Benutzungsbedingungen die restriktiven Zuglängen, welchen Grund hat das?
bahnhofsturm
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Re: Verlängerung des Seehäsles bis Hindelwangen

Beitrag von bahnhofsturm »

Guten Tag zusammen,

im Kreistag des Landkreises Konstanz geht es am 20.06.2022 wieder einmal um die Verlängerung des Seehäsles bis Hindelwangen.
Nach Stellungnahme der DB muss vor allem wegen der technischen Aufrüstung (Signale, Bahnübergänge, Weichensteuerung) und Umrüstung auf elektronische Stellwerktechnik mit einem zweistelligen Millionenbetrag gerechnet werden.

Die Tischvorlage ist zu finden unter:
https://kreistag.lrakn.de/buergerinfo/s ... _ksinr=878

Viele Grüße
bahnhofsturm
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