Vorabbekanntmachung Stadtverkehr Villingen-Schwenningen

Sonstiges, worüber man sich das "Maul" zerreisen kann.
Lucian Berndt
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Re: Vorabbekanntmachung Stadtverkehr Villingen-Schwenningen

Beitrag von Lucian Berndt » Sa 21. Sep 2019, 13:48

Vielfahrer hat geschrieben:
Sa 21. Sep 2019, 13:19
...nachdem die SBG im Landkreis Konstanz auf Jahresende 2019 sämtliche Verkehre verloren hat, dürfte sie über ausreichend Fahrzeuge und Personal verfügen...
Fast richtig. Die Busse aus dem LK Konstanz kommen großteils zu uns, allerdings nicht alle. Wir haben ja ebenso noch Fahrzeuge aus der Südbaar übrig ab Betreiberwechsel
Vielfahrer hat geschrieben:
Sa 21. Sep 2019, 13:19
...dass die SBG den Stadtverkehr in Radolfzell, den sie im Auftrag der Stadtwerke Radolfzell betrieben hat, selbst gekündigt hat, vermutlich weil keine Synergieeffekte mehr vorhanden sind.
Ebenfalls richtig. Einzig die Linie Singen-Stein am Rhein bleibt uns erhalten, weil diese von der Schweiz ausgeschrieben wurde bzw mit deren Kooperation. Sie ist also nicht im Linienbündel LK Konstanz enthalten. Wir betreiben diese Linie weiter, allerdings vom Betriebshof Villingen aus mit Villinger Personal.

Vielfahrer hat geschrieben:
Sa 21. Sep 2019, 13:19
...dass die SBG, die schon in der Südbaar kein Angebot wegen wirtschaftlicher Aussichtslosigkeit (meine Vermutung) abgegeben hat, auch in Villingen-Schwenningen nichts abgeben wird...
So sieht es aktuell leider aus. Allerdings ist eine Schliessung der NL Villingen keineswegs der Fall, da wir bis 2026 (oder 2028?) die Rottweiler Linien behalten. Man kann hoffen, dass es im VSB ein umdenken geben wird, nachdem sie sehen, wie katastrophal es ab Dezember im Raum Konstanz wird. Denn: Dem Stadtbus Tuttlingen, Klink, welcher die meisten Verkehre im LK Konstanz übernehmen wird, fehlen über 120 Fahrer - bis Fahrplanwechsel! Und die wenigsten SBG-Fahrer aus Radolfzell wechseln dorthin. Eher nach Waldshut und Villingen oder hören ganz auf, aber fast keiner geht zu Klink!

Lg Lucian

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Re: Vorabbekanntmachung Stadtverkehr Villingen-Schwenningen

Beitrag von Vielfahrer » Sa 21. Sep 2019, 15:14

Hallo Lucian,
Man kann hoffen, dass es im VSB ein umdenken geben wird, nachdem sie sehen, wie katastrophal es ab Dezember im Raum Konstanz wird.
Der VSB ist ein reiner Tarifverbund, dem u.a. die SBG wie alle anderen Verkehrsunternehmen im Schwarzwald-Baar-Kreis angehören. Er hat keinerlei Kompetenzen hinsichtlich von Ausschreibungen usw.. Nach dem ÖPNV-Gesetz Baden-Württembergs sind die Landkreise Aufgabenträger für den straßengebundenen Verkehr. Sie müssen sich allerdings an die Gesetze halten. Diese sehen vor, dass bei Ablauf einer Linienverkehrsgenehmigung etwa zwei Jahre zuvor im EU-Amtsblatt darauf hinzuweisen ist, damit auch andere Verkehrsunternehmen sich ggf. bewerben können. Im jeweils gültigen Nahverkehrsplan ist festgelegt, welches Angebot mindestens zu erbringen ist, um eine Genehmigung zu erhalten. Dabei sieht das Gesetz vor, dass eigenwirtschaftlichen Angeboten Vorrang vor gemeinwirtschaftlichen Angeboten einzuräumen ist. Gehen mehrere eigenwirtschaftliche Anträge ein, die den im Nahverkehrsplan festgelegten Mindestanforderungen entsprechen, so kommt es zu einem Genehmigungs-Wettbewerb, also einem Zuschlag an dasjenige Verkehrsunternehmen, welches insgesamt das beste eigenwirtschaftliche Angebot abgegeben hat. Geht kein eigenwirtschaftliches Angebot ein, was z. B. in der Südbaar der Fall war, so muss der Aufgabenträger die im Nahverkehrsplan vorgesehenen Linien nebst Standard konzipieren und ausschreiben. Daran führt kein Weg vorbei. Es kommt dann das beste, nicht unbedingt das billigste, Angebot zum Zug. Zwischen der Vorabbekanntmachung und der Betriebsaufnahme liegt in der Regel ein Zeitraum von 2 Jahren. Die Kosten im Busbereich sind meist zu über 50 % Personalkosten. Der Diesel und die Busse sind für die verschiedenen Wettbewerber nur unwesentlich verschieden. Es kommt deshalb darauf an, die Fahrpläne möglichst so zu strukturieren, dass die dafür erforderlichen Personalkosten wettbewerbsfähig bleiben, d.h. keine unnützen Pausen einplanen, die Busse zügig fahren lassen und gut untereinander zu vernetzen und möglichst Spitzenverkehre zu vermeiden, indem z.B. die Schulzeiten geschickt gestaffelt werden.

Viele Grüße vom Vielfahrer

Lucian Berndt
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Re: Vorabbekanntmachung Stadtverkehr Villingen-Schwenningen

Beitrag von Lucian Berndt » Sa 21. Sep 2019, 15:22

Ups, mein Versehen, dann eben nicht der VSB sondern die Landkreise *8-O* *8-O*

Das ist klar, wie die Ausschreibungen ablaufen. Problematisch dabei ist aber, dass meistens doch sehr aufs Geld geschaut wird ;) das muss sich ändern, aber ich befürchte, solange es irgendwo nicht mal so richtog schiefgeht, wird es dabei bleiben. Und irgendwie beschleicht mich, je näher es auf den Betreiberwechsel zugeht, das Gefühl, dass es im LK Konstanz zu genau diesem Krachen kommen wird...

Lg Lucian

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Re: Vorabbekanntmachung Stadtverkehr Villingen-Schwenningen

Beitrag von Vielfahrer » Sa 21. Sep 2019, 18:21

Hallo Lucian,

wenn mehrere Angebote vorliegen, dann muss man ja eine Entscheidung treffen, an wen der Zuschlag erteilt wird. Und dieser Zuschlag muss rechtssicher erfolgen, da immer damit zu rechnen ist, dass der oder die Unterlegenen dagegen klagen werden. Es muss also irgendwie eine eindeutige nachprüfbare Feststellung getroffen werden können. Zunächst einmal muss aber derjenige, der den Zuschlag erhält, leistungsfähig sein. Dazu sind bestimmte Nachweise erforderlich. Die werden auch von den Behörden geprüft. Und dann geht es vermutlich in den meisten Fällen nicht nur um den Preis, sondern auch um andere Kriterien. Beispielsweise spielt häufig die Qualität der Busse eine Rolle, die Reaktionszeit bei Störungen usw., auch wird von den Fahrern wird eine bestimmte Mindestqualifikation erwartet, z.B. ein bestimmtes Sprachniveau. Das wird dann so gemacht, dass z.B. Preise zu einem bestimmten Prozentsatz gewertet werden, Qualitäten auch, so dass es sich um einen Mix handelt. Zu den Vorschriften, die geprüft werden, zählt auch die Entlohnung der Busfahrer. Das Unternehmen muss sich verpflichten, einen anerkannten Tarifvertrag einzuhalten. Es kann mehr bezahlen, aber nicht weniger. In Baden-Württemberg wird hier meist der WBO-Tarif angewandt. Für welche Arbeitszeiten (Schichtzeit oder nur gefahrene Lenkzeiten usw.) der Lohn bezahlt wird, wird zwischen den Tarifparteien ausgehandelt und unterliegt keiner Vorgabe der Behörden. Die ganzen Angaben werden nachgeprüft. Es ist also nicht so, dass irgendeine Zahl, womöglich gar nur Kosten pro Kilometer, am Ende der Ausschreibung steht und die entscheidend ist. Insofern gewinnt nicht unbedingt derjenige, der am billigsten anbietet. Aber der Preis ist natürlich ein wesentliches Kriterium, welches aber nachvollziehbar zustande kommen muss (z.B. über Anzahl der benötigten Fahrzeuge, über Kilometerleistungen und Lohnstunden usw.).

Ich hatte auch vorgeschlagen, dass diejenigen Unternehmen, die Fahrer ausbilden (früher hat dies in vielen Fällen die Bundeswehr gemacht), einen Bonus bekommen sollten, da der Fahrermangel mit ein Hauptproblem für die Zukunft darstellen wird. Die Ausbildung eines Fahrers kostet ein Unternehmen eine fünfstellige Summe. Aber es ist nicht wie beim Fußball, wo Ablöse gezahlt wird. Bei einigen wenigen Unternehmen werden Fahrer ausgebildet und dann bezahlt anschließend ein anderes Unternehmen besser, das sich Ausbildungskosten gespart hat und weg ist der Fahrer. Wiederum andere Unternehmen besorgen sich ihre Fahrer über Agenturen, zahlen also eine Art Provision für die Vermittlung von Fahrern. Aber auch sie haben Kosten, z.B. für die Bereitstellung von Wohnraum oder Sprachkursen. Das ist alles ein weites Feld, aus dem sich die Behörden am besten raushalten.

Wenn es in Konstanz "krachen" sollte, dann ist das zunächst nichts Außergewöhnliches. Bei vielen Fahrplanumstellungen, bei denen auch gar keine Unternehmen wechseln, ist das der Fall. Wir hatten vor etlichen Jahren in der Ostbaar mal so einen Fall, wo gefühlt erst die 10. Version des Fahrplans dann funktioniert hat. Die Gründe dafür sind vielschichtig, manchmal sind es auch eigene Planungsfehler bzw. es ist auch schwer, das Verhalten der Fahrgäste immer richtig vorauszusehen, wenn verschiedene Beförderungsmöglichkeiten bestehen. Grundsätzlich ist es aber schon so, dass auch die Unternehmen stärker denn je Kosten zu vermeiden versuchen, also eher mit weniger Ressourcen als zu viel Ressourcen planen. Denn was nützt ein guter Fahrplan, wenn man gar nicht zum Zuge kommt.

Viele Grüße vom Vielfahrer

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